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die Peripherie oder darüber hinaus in die Vororte verlegt werden.
Die Werkstätten der größeren Industrie können aus dem gleichen
Grunde außerhalb der Stadt angelegt werden, mit der sie durch den
Telegraphen und das Telephon in dauernder Verbindung bleiben.
Die Arbeiter finden außerhalb billigere und ländliche Wohnungen, wo-
durch schon erhebliche Preisverschiebungen eingetreten sind und
in der Zukunft in noch viel höherem Maße eintreten werden. Wohl
sind vielfach durch Aufkauf ausgedehnter Bauflächen z.B. durch Bau-
oder Terraingesellschaften künstliche Preissteigerungen herbeigeführt;
aber sie treten weit zurück hinter den natürlichen Wertzuwachs
durch Verschiebung des Verhältnisses von Angebot und Nachfrage
infolge des erweiterten Wohnungsbedürfnisses und der Möglichkeit
eine höhere Verwertung des Grund und Bodens durch Erhöhung der
Miete zu erzielen.

Die folgenden Beispiele lassen erkennen, welche außerordentliche
Steigerung die Bodenpreise in neuerer Zeit in den Städten erfahren
haben. .

Sidney Webb schätzt die jährliche Steigerung des Grund wertes
von London auf 93 Mill. M. In Frankfurt a. M. wurde die Wert-
steigerung von 1880—95 amtlich auf 60°%, angenommen, in Karlsruhe
in 30 Jahren auf das 4—5fache.

Humboldts Haus in Berlin kostete, ohne daß ein Umbau statt-
gefunden hatte:

1746 4350 Tir. = 100
1796 28000 „ = 643
1803 85000 * = 827
Ein Gewölbe für ein Schreiner-
geschäft in Wien wurde ver-
mietet:

1750 für 24 Glan.
1790 „ 25

1810 „ 6

1850 „ 3830%-

1859 „ 12067)
1862 „ 1600

In Freiburg stiegen die nicht
umgebauten Häuser im Durch-
schnitt:

1755—64 = 100
1810—19 = 412
1:440—49 — 837
13E0—59 = 789
1860—70 = 1310
1870—74 == 1724

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m

Statistik.

Das Radziwillsche Palais in Berlin wurde 1738/39 erbaut,
Meet für O0 Tir. verkauft,
1795 , : tal
1875 ; 2000000 x BE m JO
Von 1865—75 stieg in Berlin die Zahl der Häuser um 47%,
gie RE um 62%, die Miete um 92%, von 1831—72 um

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„Ein Quadratmeter Land in Berlin kostet in den Außenbezirken
etwa 50 M., im Durchschnitt kann man 100 M. annehmen, in bester
Geschäftsgegend 2000 M. Der Mietspreis für ein größeres Zimmer
in besserer Gegend beträgt etwa 300 M., der Durchschnittspreis
einer Hofwohnung mit einem Zimmer und Küche ist 275 M. Bei
einem bebauten Grundstück muß man 40 %, für den Wert des Grund
und Bodens annehmen.“ (Ebenezer Howard, Gartenstädte in Sicht.
Jena 1907, S. 191, Anhang, Zur Gartenstadtbewegung in Deutsch-
land, von B. Kampffmeyer.)

In Halle war die durchschnittliche Miete einer Anzahl beobach-
teter Läden von 1831—76 wie 100: 488 erhöht, von 1803 wie 100: 1816,

Conrad, Grundriß der politf. Oekonomie. I. Teil. 8. Aufl. 10