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hat, zumal bei der zunehmenden Intensität des Betriebes weit mehr
Arbeitskraft als früher anf das Land verwendet wird. Für 5 größere
Güter stellten wir die Entwicklung der Lohnausgaben in Mark pro
100 ha, wie folet, fest:

1800—10
L811—27
1821—30
1831—40
1841— 57
1851—60
L861—70
L871-—80
1881—90
1891— 95

1.
93
ar
a

7a
„25 a
2538 2345
2806 3443 3015
3615 2694 3702
4474 2880 4409

1286

(- 1601
868 1645
3702 2284
4409 2993
Bei weitem den größten Finfluß aber üben die Preise der land-
wirtschaftlichen Produkte auf den Geldertrag aus. Je mehr der Land-
wirt für sein Getreide, für sein Vieh pro Zentner erhält, um so größer
werden auch die Ueberschüsse über den Aufwand bei sonst gleich
gebliebenen Verhältnissen sein. Ein Sinken der Getreidepreise kann
plötzlich die Steigerung des Ertrages, welche durch jahrelangen Auf-
wand besonderer Energie und Intelligenz erreicht war, vernichten.
Dagegen vermögen höhere Intelligenz, Fortschritte der Wissenschaft,
wie der praktischen Erfahrung die anderen Momente auszugleichen
und haben es in den drei Dezennien seit 1870 vermocht, trotz des
Rückgangs der Preise, höhere Reinerträge zu erzielen,

Betont muß hierbei mit Nachdruck werden, daß also der Rein-
ertrag eines Grundstücks, resp. die Pacht, bedingt wird durch
die Preise der landwirtschaftlichen Produkte, aber unter unseren
Verhältnissen bei den hauptsächlichsten in Betracht kommenden
Gegenständen nicht die Höhe der Preise durch die gezahlte Pacht
oder den Kaufpreis, wie in dem nächsten Paragraphen des näheren
gezeigt werden soll.

Mit Recht hat Pantoleoni den Satz aufgestellt: der Unterschied
zwischen den ländlichen und städtischen Verhältnissen liege darin, daß
für die Bodenfrüchte gleiche Preise bei ungleichen Kosten erzielt werden,
in den Städten aber die Miete verschieden hoch ist bei gleichen Kosten.

Wir geben in dem Folgenden einige Beispiele über die Ent-
wicklung der Pacht- und Kaufpreise. Dieselben zeigen, daß infolge
des Aufblühens der ganzen Kultur und der Zunahme der Bevölkerung
in der neueren Zeit in Deutschland auch bei den ländlichen Grund-
stücken eine kolossale Steigerung des Grundwertes stattgefunden hat,
aber zugleich, daß Rückschläge dabei nicht ausgeschlossen sind,
vielmehr auch hier Schwankungen unvermeidlich bleiben; ferner, daß
die Pacht wie der Bodenpreis weit stärker gestiegen sind, als die
Getreidepreise, Die Erfahrungen in dem technischen Betriebe und
die Fortschritte in den beteiligten Naturwissenschaften ermöglichten
es dem Landwirte, dem Boden verhältnismäßig höhere Erträge ab-
zugewinnen und damit auch bei gleichen Preisen höheren Gewinn
zu erzielen resp. den Rückgang der Preise auszugleichen. Diese Be-
obachtung kann der Landwirtschaft auch in Zeiten niedriger Pro-
duktionspreise zum Trost und Sporn dienen. ;

Die Entwicklung der Pachterträge in den Regierungsbezirken
der östlichen Provinzen Preußens von 1849—1914 war folgende:

Pachtnreise.