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Durchschnitts:
preise.

Jahrespreise

bestimmt. Die Landwirtschaft einer einzelnen Gegend innerhalb eines
näheren Thünenschen Kreises (s. Grundriß II 8 7), wie z. B. Deutsch-
lands, hat deshalb gar keinen Einfluß auf die Höhe des Getreide-
preises auf dem Weltmarkt; die eigenen Produktionskosten sind
dafür völlig irrelevant. Für Weizen bildet England den
Hauptmarkt, welches die Ueberschüsse der ganzen Welt absor-
biert, soweit dieselbe konkurrenzfähig ist. Für Roggen ist da-
gegen Deutschland mit seinem Bedarf bestimmend, während
Rußland das Hauptangebot stellt und diese beiden Länder in der
Hauptsache das entscheidende Wort sprechen. Auch hierbei nimmt
die deutsche Landwirtschaft einen mittleren Thünenschen Kreis
ein, sie muß daher die Preise hinnehmen, wie sie sich aus dem inter-
nationalen Handel ergeben. Ob hier die Produktion etwas mehr aus-
gedehnt oder eingeschränkt wird, ist im Vergleich zur Produktion
aller in Betracht kommenden Länder, die in Konkurrenz treten, ohne
Bedeutung. Die deutsche Landwirtschaft ist außerdem auf den Ge-
treidebau in der Hauptsache angewiesen, die Veränderungen in der
Anbaufläche können sich daher nur in sehr engen Grenzen bewegen.
Auch die bedeutenden Schwankungen in den Getreidepreisen der
ietzten Dezennien haben darin keine Veränderungen herbeigeführt.

Zwei Momente sind es, welche mithin heutigen Tages den Ge-
treidepreis beeinflussen; einmal das Verhältnis von Angebot und Nach-
frage, wie es auf den großen Zentralmärkten festgestellt wird, unter
Berücksichtigung des Ernteausfalls der verschiedenen Länder, der
Taxe der disponiblen Vorräte und dem gegenüber des erfahrungs-
gemäßen Bedarfs für die menschliche Nahrung, für Viehfutter und
industrielle Zwecke, wie z. B. zur Stärkefabrikation. Außerdem
sind aber, wie erwähnt, die Unkosten bestimmend, welche zur Deckung
des letzten Bedarfsteiles aufgewendet werden müssen. Ist auch das
Verhältnis von Angebot und Nachfrage sich gleich geblieben, so
können die Preise doch herabgehen, wenn in den überseeischen
Ländern durch irgendeinen Umstand billiger produziert wird, die
Transportkosten sich vermindert haben, oder durch Entwertung der
Valuta in einem der entlegensten Lieferungsländer das Angebot billiger
gestellt werden kann.

Da der Mensch die Natur nicht völlig beherrscht, Mißernten nicht
verhindert werden können, so schwankt das Angebot von Jahr zu Jahr,
während dem gegenüber die Nachfrage eine mehr gleichmäßige ist,
wenn auch schon früher darauf aufmerksam gemacht wurde, daß die-
selbe in billigen Jahren sehr viel größer als in teueren ist. Je nach
dem Ernteausfall in den hauptsächlichsten Produktionsländern wird des-
halb der Preis von einem Jahre zum anderen erheblichen Schwankungen
unterliegen. Ja, es läßt sich nachweisen, daß in einem Lande wie
Deutschland noch heutigen Tages die heimische Ernte einen Einfluß
auf den Inlandpreis ausübt, und sogar in den einzelnen Landesteilen
ihn ungleich dem Auslande gegenüber verschiebt.

Hier findet die von Marshall aufgestellte Regel ihre Bestätigung,
daß der Einfluß der Nachfrage um so mehr bei der Wertbestimmung
ausschlaggebend ist, je kürzer die betrachtete Periode ist; je länger
die Periode ist, von desto größerer Bedeutung ist der Einfluß der
Produktionskosten auf den Wert. Vielleicht ist es noch richtiger, den
einzelnen Fall dem Durchschnitt einer größeren Zahl von Fällen
regenüberzustellen.