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Die Furcht vor Mangel oder Ueberfluß treibt nun erfahrungs-
gemäß die Preise noch über das Verhältnis des Ernteausfalls hinaus.
Der Engländer King hatte sogar gemeint, ein wirtschaftliches Gesetz
gefunden zu haben, nach dem diese Verschiebung in potenzierter Weise
vor sich gehe, so daß bei einem Ernteausfall von 5%, der Preis etwa
um 10°%, gesteigert werde, bei einem Ausfall von 10%, aber um
30% usw. Doch hat die Erfahrung gezeigt, daß solche Regelmäßig-
keit nicht vorliegt, und außerdem die Kulturentwicklung immer größere
Ausgleichungen herbeiführt. Die verbesserte Kultur vermindert er-
fahrungsgemäß die Mißernten; die größere Mannigfaltigkeit der ge-
bauten Früchte, die zu verschiedenen Zeiten gesäet und geerntet
werden, also unter denselben Witterungsverhältnissen ungleich leiden,
verringert die Wirkung derselben schon für die Land- und damit für
die ganze Volkswirtschaft, während der ausgebildete Handel und die
verbesserten Kommunikationsmittel den Ausfall in dem einen Lande
immer mehr aus dem Ueberflusse anderer zu decken gestatten.

In England schwankten die durchschnittlichen Jahrespreise des
Weizens im 13. Jahrhundert um das 56fache, im 14. um das 40 fache,
im 15. um das 20fache, im 16. um das 8*,fache, im 17. um das
3'/„ fache, im 18. um das 4”, fache, in den ersten 60 Jahren des 19.
allerdings um das 6fache zwischen den einzelnen Jahren. Im ganzen
gehen wir weiterer Ausgleichung der Durchschnittssätze entgegen, be-
sonders durch die innigere, wirtschaftliche Verbindung der beiden
Hemisphären,

Nach Tooke und Newmarch und dem Economist war in Eng-
land und Frankreich die Preisentwicklung folgende:

England
pro Qu.
78h. 1.
ES 2 2 n
nr” 9%

Frankreich
pro Qu.

Sp. 23
Y

England Frankreich

L401-—50
1451—1500
1501—50
1551-— 80

109
7

100

54
108
9392

1581—1600
1601—1700
1701—70

Oxford
26 Sh. 88.
09 21
26 2.

424
324
9264.

England
L771—1800 51 Sh. 5d.
1801—50 Ö4 „ 2
1851—1900 4 » —»
1901—1905 28 % 1%
1906—18 33 * 9.

740 308
903 884
621 417
395 508
453 488

69
80

»”

4

A}
”

Kingsche
Regel.

Statistik,

_ Das Getreide, welches von einer bestimmten Bodenfläche gewonnen
wird, muß, weil diese Oberfläche nur in gegebenem beschränktem Um-
fange vorhanden ist und deshalb gegenüber der wachsenden Bevölkerung
wertvoller wird, innerhalb größerer Perioden im Preise steigen. Nur
besondere Fortschritte der Kultur können hiervon, wie es in der neuesten
Zeit zu beobachten war, Ausnahmen schaffen, die man aber nach den
bisherigen Erfahrungen auch nur als vorübergehende ansehen kann,
denn auch in früheren Jahrhunderten sind Rückschläge in den Preisen
ganzer Dezennien wiederholt zu beobachten gewesen.