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Verhältnis der Getreidepreise zum Roggen
auf dem Berliner Markt.

Jahr

Weizen

Roggen

(Gerste

Hafer

5

1651— 1700
L701—1730
1751—1800
1801—1850
'851—1900
1901—1905
1906 —1910
I911—1913

139,5
135,1
123,5
136,6
126,0
121,4
122,6
116.6

3
102,8
84:3
106,8
935
985
98.4

99,1
83:4
951
100,4
98:8
106.0
97,0
105.7

)
)
1
J FF
100
100

Die vorgelegten Zahlen ergeben, daß innerhalb größerer Perioden
sich eine fortdauernde Steigerung der Getreidepreise nachweisen läßt.
Aber es ist wichtig darauf aufmerksam zu machen, daß die Preise in
der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, sowohl in Frankreich wie in
England erheblich niedriger waren, wie in der ersten Hälfte desselben.
In Frankreich sind sie im 18. Jahrhundert niedriger wie im 17,
Auf den hohen Stand der zwanzig Jahre von 1581—1600 ist der Kürze
der Periode wegen kein so großes Gewicht zu legen. Wie die Preise
für Berlin ersehen lassen, ist auch der Durchschnittspreis in Deutsch-
Jand in dem letzten halben Jahrhundert höher als der des vorher-
gehenden. In England allerdings ist in dieser Zeit ein Rückgang
zu beobachten, nicht nur gegen die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts,
sondern auch gegen Ende des 18., weil in den früheren Perioden
die Getreidepreise durch Schutzzölle künstlich gehoben waren, und
England naturgemäß in erster Linie durch die überseeische Konkurrenz
getroffen werden mußte. Während des ganzen letzten Jahrhunderts
hat ein Ausgleich zwischen den Preisen von England und Deutschland
stattgefunden, auf der anderen Seite aber auch innerhalb Deutschlands,
z. B. zwischen den verschiedenen Provinzen Preußens. Die Ursachen
sind in 8 30 bereits angegeben. Sie liegen in der Verbesserung und
Verbilligung der Transportmittel, wodurch neue Länder der Getreide-
produktion erschlossen und zur Lieferung von Nahrungsmitteln nach
den dichtbevölkerten Gegenden Europas veranlaßt werden. Zu diesen
Ländern gehören vor allem die Vereinigten Staaten von Amerika,
Argentinien, Indien, aber auch Südrußland und andere Länder. Inner-
halb Deutschlands mußten die Eisenbahnen die Preise ausgleichen,
was eine Erweiterung des Kanalnetzes noch in höherem Maße be-
wirken würde.

_ Die Preise der verschiedenen Getreidearten stehen in einem be-
stimmten Verhältnis, das in engen Schranken gehalten ist, da sie sich
bis zu gewissem Grade, wie wir sahen, gegenseitig zu ersetzen Ver-
mögen. Wird der durchschnittliche Roggenpreis nach Gewicht in
Berlin von 1801—50 gleich 100 gesetzt, so war der Weizenpreis dazu
gleich 136; von 1851—1900 126; von 1901—10 122, von 1911—13
nur 116,6; in Halle a. S. von 1901—1910 nur 114,5, von 1912—13
116. Da gerade der Weizen aus den überseeischen Ländern in
Massen bezogen wird, und darauf die Ermäßigung der Transport-
kosten besonderen Einfluß ausgeübt hat. so ist es begreiflich, daß

Ausgleich.

Verhältnis der
verschiedenen
Getreidearten.