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Stein und Eisen zum Ersatz des Bauholzes, sind auch in der neueren
Zeit die Preise wenigstens für die meisten Holzarten nicht gesunken,
sondern gestiegen. Bei den landwirtschaftlichen Produkten war die
Preisentwicklung bei dem Rindfleisch am höchsten, die Butter blieb
dagegen auffallenderweise noch hinter dem Getreide zurück; noch be-
deutender stieg in den letzten 100 Jahren die Wolle, und hätte man
die letzten 30 Jahre noch mit hinzuziehen können, so würde der
Unterschied noch bedeutender gewesen sein. Dann folgen Leinwand
and Ziegel. Am wenigsten gestiegen sind Papier, Schmiedeeisen und
Seife, und auch da würden die letzten drei Dezennien den Unter-
schied noch in bedeutenderem Maße hervortreten lassen.

en gers berechnete für England die folgenden Durchschnitts-
preise !):
1541—82
Shill. Pence
13 61%

8 5%

5 51%

Weizen

Gerste

Hafer

Rindfleisch

Butter a

Risen 26

Lohn des Maurers 3
„ landw. Arbeiters 3

1583—1642
Shill. Pence
20 .
ar

1643—1702
Shill. Pence
41 11%
99
; 21

a

a
Für die neuere Zeit bieten uns die Preisangaben für den Ham-
burger Engroshandel das beste Material, welches wir fast alljährlich
in den Jahrbüchern für Nationalökonomie vorlegen, aus welchem in
den folgenden beiden Tabellen zusammenfassende Uebersichten ge-
geben sind: ;

(Siehe Tabelle I u. II Seite 160 u. 161.)

Vor allem lassen die Zahlen, namentlich der Tabelle II, den
Unterschied der Preisentwicklung des Getreides gegenüber den
anderen Warengruppen erkennen. Im Vergleich zu dem Durchschnitt
von 1847—1880 beginnt erst seit 1886 das erstere stärker zu sinken.
Von 1891—1900 zeigen die vier Getreidearten das Verhältnis wie
L00: 68, der Durchschnitt aller 6 Gruppen zu 71. Das arithmetische
Mittel von 157 Waren zeigt in derselben Periode nur eine Senkung
auf 84,1. Von 1900—1910 steht das Getreide noch auf 66,5 gegen
59,5 für den Durchschnitt der ausgewählten Gegenstände der Tabelle
ınd 79,3 im Gesamtdurchschnitt. In den letzten Jahren, die uns
vorliegen, 1911 und 1912, ist das Getreide erheblich gestiegen, auf
59,7 und 79,3 Nach Tab. IV S. 164 war das Getreide aber überhaupt 1913
wieder stark gefallen, und zwar fast auf den Durchschnitt von 1879
bis 1883, Bei den übrigen Waren ist nur das Jahr 1907 exzeptionell
hoch. Wir haben es hier mit Rohmaterialien und Engrospreisen zu
tun, für welche bisher die Produktionsbedingungen (abgesehen von
dem Getreide) sich mehr und mehr verbilligt hatten. Durch den ge-
waltigen. Aufschwung von Handel und Industrie in allen Kultur-
ländern ist aber die Nachfrage nach allen Produkten in bedeutendem
Maße gestiegen, welche die Preise in den letzten Jahren etwas in
die Höhe zu treiben vermochte. Den Beleg dafür bietet der Gesamt-
durchschnitt‘ von 1906—1910 gegenüber 1871—1880 = 100 zu 77,30,
das ist 5,7 ° höher als der von 1901—1905. In den Jahren 1911

Hamburger
Preise.

1) Six centuries of work and wages, London 1884.