— 165 —

Wenn wir die einzelnen Warengruppen, abgesehen von dem schon
betrachteten Getreide und Fleisch besonders ins Auge fassen, so er-
gibt sich ein sehr verschiedenes Bild. Die Kolonialwaren haben in
der neuesten Zeit eine Preiserhöhung außer im Jahre 1902 nicht er-
fahren. Gegenüber 1879—1889 ist die Verhältniszahl 1909—1913:
89,7; gegenüber 1847—1880 die Zahl für 1906—1910 79,7, von 1911
und 1912 immer noch 90,1. Namentlich die außerordentlichen
Schwankungen des Kaffeepreises zeigen, daß der Wert von der Ernte,
der Spekulation usw. bedingt wird, nicht von allgemeinen inter-
nationalen Geldverhältnissen. Dasselbe .wird von den Metallpreisen
zu sagen sein, die in den letzten Jahren einen besonderen Aufschwung
erfuhren: gegenüber 1879—1889 = 100, 1909—1913: 157,9 und
gegenüber 1847—1880 = 100 von 1906—1910 94,50, 1911—1912
107 und 117,9, dem aber schon 1913 ein Rückschlag folgte. Der
große Aufschwung der Maschinenbenutzung und der Metallindustrie
überhaupt, beeinflußt durch die Fortschritte in der Verwertung der
Elektrizität, die Ausdehnung der Benutzung der Automobile, die
großen Kriegsrüstungen geben genügende Erklärung dafür. Wenn
die Steinkohle nicht mit den Metallen Hand in Hand ging, so ist
dies sicher auf die starke Zunahme der Förderung des Materials
zurückzuführen. Aber auch bei den Metallen ist ersichtlich, daß be-
sondere Produktionsverhältnisse vorliegen, da gerade Blei und Zinn
in weit höherem Maße gestiegen sind, als Kupfer und Eisen. Das
Rohmaterial der Textilindustrie ist von 1879—1889 bis 1909—1913
wie 100:1183 hinaufgeschraubt, was auch auf den gesteigerten Bedarf
zurückzuführen sein dürfte.

Für die gesamte Industrie kommt ferner die allgemeine Lohn-
steigerung in Betracht, die bei der Produktion ebenso preishebend
wirken mußte, wie im Handel vielfach durch die erhöhte Nachfrage.
Wir haben schon oben bei Erörterung des Einflusses der Goldpro-
duktion auf das Preisniveau uns dahin ausgesprochen, daß dieselbe
die neuen Veränderungen der Kaufkraft des Geldes nicht wesentlich
modifiziert haben kann, da sie sich in dem letzten Dezennium nicht
vermindert hat und auch kein Anlaß zu einer erhöhten Steigerung der
Nachfrage vorlag, ebensowenig ist eine Minderung der Produktions-
kosten der edlen Metalle gerade in letzter Zeit eingetreten. Die
Klagen über die Teuerung in diesen Jahren sind dadurch gestiegen,
daß es gerade die täglichen und allgemeinen Nahrungsmittel, dann
die Miete in den größeren Städten gewesen sind, welche eine Preis-
steigerung erfuhren, die von der großen Masse der Bevölkerung be-
sonders empfunden wird. während die übrigen Waren davon weniger
betroffen sind.

Die Ursache einer Veränderung des allgemeinen Preisniveaus
aber von seiten der Waren gegenüber dem Gelde kann, wie wir
sehen, in der Erhöhung der Produktionskosten oder in der erhöhten
Nachfrage gegenüber der gleichen oder weniger gestiegenen Pro-
duktion (wie bei dem Fleische) liegen. Diese größere Nachfrage
kann bedingt sein durch die Bevölkerungsvermehrung, Steigerung
der Bedürfnisse sowohl infolge einer Aenderung des Standard of life
und dadurch bewirkten Verschiebung der Bedürfnisse, wie besonders
aber durch eine Erhöhung der Kaufkraft der Bevölkerung, die eine
gesteigerte Leistungsfähigkeit, namentlich durch die Erfindungen, er-
weiterte Anwendung von Maschinen und größere Ausnutzung der