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und Wipperzeit der Mißbrauch der Staatsgewalt bei der Ausübung
des Münzrechts hinzu. Es wurden nämlich unterwertige Münzen
ausgeprägt, welche nach einiger Zeit wieder in Verruf erklärt und
zu ihrem Metallwerte eingezogen wurden, um durch neue unterwertige
Münzen zu einem hohen Kurse ersetzt zu werden. Je größer die
Finanznot des Fürsten war, um so öfter geschah die Verrufserklärung,
mitunter schon nach einem Jahre, so daß Zahlungsstockungen unver-
meidlich wurden, weil Niemand dem Werte der ausgegebenen Münze
traute und Niemand wußte, wie lange die Münze den gesetzlichen
Wert, zu dem sie ausgegeben war, behalten würde. Dabei war ein
ausgedehnter Handel, namentlich internationaler Natur nicht möglich,
und deshalb wurde durch die Banken ein neutraler Boden geschaffen,
auf dem die Zahlung auf einer gleichen, dauernden Grundlage, un-
abhängig von der kursierenden Münze durchgeführt werden konnte.
Die Girobank in Hamburg akzeptierte deshalb für ihre Girogeschäfte
eine ideale Werteinheit, die „Mark Banko“, zu einem Drittel eines
vollwichtigen Reichstalers; und auch als später der Münzfuß des
Reichstalers verschlechtert wurde, behielt man die ursprüngliche
Mark mit einem angenommenen Silbergehalt von 81 g Feinsilber
bei. Sie wurde nie ausgeprägt, sondern blieb eine Rechnungsmünze.
Als Depositen in der Bank wurden nur Silber in Barren oder später
auch Münzen, aber nur nach dem Silbergehalt, akzeptiert. Auch das Pfund
Sterling, wonach die englische Bank rechnete, war bekanntlich nicht
eine geprägte Münze, sondern ein bestimmtes Gewicht von Edel-
metall, je nach der akzeptierten Währung: Gold oder Silber. Auf
Grund dieser Einrichtung vollzogen sich die größeren Zahlungen nur
auf dem Wege des Kredits durch Anweisung auf das Guthaben bei
der Bank, und diese Erleichterung führte dazu, daß eine Menge
Zahlungen in anderen Gegenden und von fernstehenden Kaufleuten
üurch Anweisung auf die Bankbürger stattfanden, die untereinander
die Abrechnung auf dem Wege des Girierens bewirkten, so daß die
Banken bald eine Bedeutung erlangten, die weit üher den lokalen
Markt hinausgine.
8 50.
Die Entwicklung der Banktätigkeit und das
Girogeschäft.
Rauchberg, Der Clearing- und Giroverkehr in Oesterreich-Ungarn und im Aus-
lande. Wien 1897
Die Entwicklung der Banktätigkeit aus diesen einfachen Anfängen Entwicklung d
der Girobank vollzog sich nun, kurz dargestellt, in der Weise, daß Bankeeschäfte
man._den Geschäftsverkehr nicht auf die Bankbürger beschränkte,
sondern auch auf das übrige Publikum ausdehnte, indem auch von
ihm Einlagen in Geld’ aufgenommen wurden, wodurch sich das Depo-
sitengeschäft entwickelte und die Banken sich zu allgemeineren
Sparkassen erweiterten. Der zweite Schritt ging.dahin, die aufge-
sammelten Gelder nicht tot in‘ den Kellern der Bank liegen zu lassen,
sondern wieder in den Verkehr zu bringen, und zwar durch Be-
nutzung zur Gewährung von Darlehen. Man sagte sich, daß die
Depositen nicht alle auf einmal zurückgefordert werden und daß,
wenn die Schuldner sicher und die Darlehen nur auf kurze Zeit ge-
währt sind, die Schuldverschreibungen, das sind die von den Schuldnern