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Vorteile für die
Bank.

würdigkeit, namentlich ihre Zuverlässigkeit in Geldgeschäften be-
urteilen kann, und deshalb Niemand ihnen ohne weiteres Personal-
kredit zu gewähren vermag; während in Eingland auch der kleine
Farmer bei einer Bank ein laufendes Konto hält und keine Ursache
hat, über Mangel an Personalkredit zu klagen.

Eine Gefahr liegt für den Deponenten vor, wenn die Bank sich
auf gewagte Spekulationen einläßt, und dadurch ihre Sicherheit ge-
fährdet wird. Es wird deshalb für ihn notwendig sein, die Art der
Geschäftstätigkeit der Bank und damit ihre Sicherheit genau zu be-
obachten. Er wird nicht seine ersparten Kapitalien bei ihr depo-
nieren dürfen, wie es vielfach geschieht, sondern nur laufende Ein-
nahmen, um das Risiko nicht zu sehr auszudehnen.

Die Vorteile für die Bank liegen in der Heranziehung der
Gelder ihrer Kunden zur eigenen Benutzung. Jeder Einleger hat zu
bestimmten Zeiten besondere Einnahmen, zu anderen größere Aus-
gaben. Die Erfahrung stellt den regelmäßigen Bedarf und Ueberfiuß
bei dem Kundenkreise fest, und je mannigfaltiger sich dieser zu-
sammensetzt, um so größer pflegt die Ausgleichung zu sein. Der Be-
amte und Rentier beziehen im Beginn jeden Vierteljahres das Gehalt
und die Zinsen, ihre Ausgaben verteilen sich ziemlich gleichmäßig
auf die Zwischenzeit. Der Landwirt hat dagegen im Beginne des
Vierteljahres Hypothekenzinsen, Gehalt und Löhne auszuzahlen, seine
Einnahmen konzentrieren sich mehr oder weniger auf die Zeit der
Wollschur, des hauptsächlichsten Ausdrusches der Ernte während des
Winters. Die Fabrikanten machen zu bestimmten Zeiten ihre Ein-
käufe an Rohmaterial, der Absatz konzentriert sich auf die einzelnen
Saisons oder sonstige Perioden des Jahres, während die Ausgaben
und Einnahmen der Kaufleute bei einem schnelleren Umsatz sich gleich-
mäßiger über das Jahr verteilen, aber auch Ebbe und Flut der Guthaben
in gewisser regelmäßiger Wiederkehr folgen lassen. Auf diese Weise
ist der Bankier in der Lage, vorauszusehen, welche Summen er zu
den einzelnen Terminen vorrätig halten muß, um den Bedarf seiner
Kunden zu befriedigen, wann er dagegen auf größeren Zufluß von
Geldern rechnen kann, und wie weit der Zufluß von der einen Seite
ausreicht, um den Bedarf der anderen zu befriedigen. Er kann
hiernach die Depositen seiner Kunden zum großen Teile verwerten,
um anderen entsprechende Vorschüsse zu gewähren. Er verzinst
aber die Einlagen, wie wir sahen, niedriger, als er seine Darlehen
verzinst erhält. Je langsamer der Umsatz bei den Kunden ist, wie
bei den Beamten, Rentiers, Landwirten, um so größere Summen
werden für längere Zeit zu seiner Verfügung stehen. Je schneller
der Umsatz ist, wie bei den Kaufleuten, um so mehr Gelder wird er
zur unmittelbaren Verfügung bar vorrätig halten müssen, und je
schneller der ganze Verkehr ist, wie z. B. in England, um so mehr
wird dieses der Fall sein, gegenüber einem langsamen Verlauf, wie
er z. B. in Rußland oder in der Türkei zu beobachten ist. Die
Schwankungen in dem Geldverkehr treten in dem Notenumlauf
unserer Reichsbank scharf hervor, der sich im Beginne jedes Viertel-
jahres gewaltig steigert, da größere Summen von ihr verlangt
werden, um allmählich in den folgenden 2%, Monaten abzunehmen,
dann regelmäßig Ende des Vierteljahres zu steigen und Ende De-
zember den Höhepunkt zu erreichen, wie die folgende kleine Tabelle