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Yearinghouse

ist. Nur äußerst selten erhebt dort der Inhaber des Schecks selbst
das Geld, sondern er übergibt ihn der Bank, welche die Einziehung
bewirkt. Ueberall gibt es kleine Banken, Bankiers oder Filialen
größerer Banken, dıe alle bei Zentralbanken Konten halten und mit
ihnen die Schecks austauschen und verrechnen. Ist dieser Usus nicht
allgemein, so hat es für den Empfänger eines Schecks, namentlich in
großen Städten, größere Unbequemlichkeiten, von einem entfernten
Bankhause zu dem Gelde zu gelangen, und der Scheck wird nur un-
gern genommen. Die Ersparnisse für die ganze Volkswirtschaft an
Edelmetall sind bei Verallgemeinerung des Scheckverkehrs außer-
ordentlich groß. Nach allgemeinen Erfahrungen kommt nur äußerst
selten ein Mißbrauch des Schecks vor, weil Fälschungen der Unter-
schrift oder Diebstahl eines Schecks leicht entdeckt werden und zur
Bestrafung des Betrügers führen.

Die großen Banken in London haben schon seit den 70er Jahren
des 18. Jahrhunderts eine gemeinsame Abrechnungsstelle, das Clearing-
house eingerichtet, wohin sie an bestimmten Stunden des Tages die
bei ihnen zur Einlösung eingelieferten Schecks einsenden. Dort_werden
sie von den Clearingbeamten mit. den. Forderungen und Gegen-
Förderungen der beteiligten‘ Banken - zusammengestellt, „und die zu
forderhden und zu zahlenden Ueberschüsse festgestellt. Die bei dem
CTearinghöuse beteiligten” Banken haben nun jetzt bei der Bank von
England ihr Girokonto, auf welches jene festgestellten Ueberschüsse
zur endgültigen Ausgleichung übertragen werden. Auf diese Weise
konzentrieren sich die Zahlungen innerhalb Londons, aber. auch aus
dem größten Teil des Landes in bedeutendem Maße schließlich in dem
Bankbuche der englischen Bank, und werden vollzogen, ohne daß Bar-
mittel hierzu zur Anwendung gelangen. Schon in den 60er Jahren
wurde festgestellt, daß bei jenen großen Depositenbanken Londons
nur 5%, der Depositen als Kassenbestand gehalten zu werden brauchte.
G. Cohn gibt an (a. a. O0. S. 607), daß von 23 Mill. Pf. St, welche
bei einem Londoner Bankhause im Laufe eines Tages zum Umsatz
gelangten, gegen 21 Mill. durch Clearings und Schecks, nur eine Million
durch Banknoten, kaum ein Siebentel einer Million durch Münze ge-
zahlt wurde,

Im Jahre 1883 hat die deutsche Reichsbank eine ähnliche Ein-
richtung, die Abrechnungsstelle in Berlin, ins Leben gerufen,
indem sie mit den bedeutendsten Bankhäusern in Berlin, ein Abkommen
wegen täglicher Ausgleichung der wechselseitigen Geldverpflichtungen
nach Art des dargelegten Clearingverfahrens, wie der technische Aus-
iruck lautet, im Wege der „Skontration“ traf. Den Inhabern eines
Girokontos bei der Reichsbank wurde zur Pflicht gemacht, ihre Wechsel
and Schecks entweder bei der Reichsbank oder bei einem Bankhause,
welches mit ihr in täglicher Abrechnung steht, zahlbar zu machen,
also auf diese Weise die Zahlungen zu konzentrieren, und diese
regelmäßig bei der Abrechnungsstelle zur Begleichung zu bringen.
In dem Girobuche der Reichsbank vollzieht sich dann die endgültige
Uebertragung. Aehnliche Einrichtungen befinden sich in Hamburg,
Bremen, Frankfurt a. M. und anderen Städten Deutschlands. Auch
Oesterreich, Italien und Frankreich haben ihre Clearingeinrichtungen,
In großartigem Maßstabe haben sie sich in New-York und Melbourne
entwickelt. Der Gesamtumsatz im Clearinghouse zu London belief
sich 1878 auf 4992 Mill. Pf. St., 1901 auf 9766 Mill. 1904 auf 10791 Mill.