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Eine besondere. Entwicklung ‚der, Depotgeschäfte, besteht darin,
Jaß Zuf Grund der der Bank übergebenen Wertgegenstände Darlehen
für kürzere Zeit gewährt werden, Lombarddarlehen genannt,
oijn Geschäft, das schon bei den Goldschmieden und Wechslern im
Mittelalter eine gewisse Blüte erlangt hatte. In der Gegenwart
anterscheidet man drei Arten des Lombardverkehrs. Az Edel.
metalllombard, wobei, wie es der Name besagt, auf Grund der
Verpfändung von Gold- und Silberbarren, -geräten, Schmucksachen,
ausländischen Münzen, Summen geliehen werden, „2-Waren]om - Warenlombard,
bard, bei welchem Waren in natura in der einen Oder der anderen
Form zur Verpfändung gelangen und darauf für kurze Zeit Darlehen
gewährt werden. Die Voraussetzung dabei ist, daß die Gegenstände
sich leicht aufbewahren lassen, ohne zu verderben oder sonst an
Wert einzubüßen, und daß sie leicht absetzbar sind, also im Falle
des erforderlichen Verkaufs keine größeren Umstände machen. Gleich-
wohl ist dieses Geschäft mit größeren Schwierigkeiten und Umständen
verbunden, als die sonstige Banktätigkeit und tritt in ihrer Be-
deutung heutigen Tages erheblich zurück. Immerhin hat z. B. die
deutsche Reichsbank 4 Warendepots, um derartige Faustpfänder auf-
zunehmen. Veranlassung hierzu liegt vor, wenn Kaufleute ihre Waren,
Gutsbesitzer ihre Wolle, ihr Getreide im Momente nicht zu veräußern
vermögen oder nicht veräußern wollen, weil die Preise momentan
besonders niedrig sind, sie aber Geld gebrauchen, um fällige Forde-
rungen einzulösen oder ihre geschäftliche Tätigkeit fortzusetzen.

Eine wesentliche Erleichterung und Ausdehnung hat dieses Ge-
schäft durch die Einrichtung öffentlicher Lagerhäuser und der unter
ihrer Autorität ausgestellten Hägerscheine oder Warrants besonders
in England erhalten, während in Deutschland die Entwicklung lang-
samer, aber immerhin bemerkenswert vor sich geht. In den eng-
lischen Häfen sind seit lange bekanntlich große Docks eingerichtet,
welche außerhalb der Zollgrenze liegen, in denen von dem Auslande
eingetroffene Waren niedergelegt und angemessen behandelt werden,
bis der Besitzer darüber anderweitig verfügt und sie entweder in
das Inland befördert oder nach dem Ausland weiter verschickt, wo
der höchste Preis zu erlangen ist. In der Zwischenzeit ist es für
äen Kaufmann von höchster Bedeutung, auf diese Waren Darlehen
zu erhalten. Diese Freilager sind in England Privatunternehmungen,
welche die Verantwortung für die gelagerten Waren übernehmen. Sie
stellen darüber Lagerscheine (Warrants) aus, die nun ihrerseits bei
einer Bank als Pfand zur Lombardierung übergeben werden. Da die
Ware nur gegen diesen Schein aus dem Depot herausgegeben wird, und
das Lagerhaus hierfür die Garantie übernimmt, so ist die Bank dadurch
genügend gesichert, während ihr die Umstände eigener Aufbewahrung
der Waren abgenommen sind. Hierin liegt eine wesentliche Erweiterung
des Kredites des Einlegers, und dies Verfahren hat sich in neuerer
Zeit auch auf dem Kontinente in erheblichem Maße erweitert.

Ungleich bedeutsamer ist heutigen Da Effekten-
lombard, bei welchem Wertpapiere der Bank Als Pfand übergeben
werden. Hierdurch ist auch derjenige imstande, Darlehen von der
Bank zu erhalten, der mit ihr in keinem dauernden Geschäftsver-
kehr steht. und dessen Kreditwürdigkeit sie daher nicht beurteilen
kann. Ein Gutsbesitzer, der in momentaner Geldverlegenheit ist,
aber nur für kurze Zeit ein Darlehn braucht und Wertpapiere be-

Warrant.