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in Landwirtschafts-, Industrie- und Fortbildungsschulen Belehrung
zu verbreiten, als dem Betreffenden dieses Mittel zu entziehen, sich
einen leichten und billigen Kredit zu verschaffen.

Der Mißbrauch des Wechsels findet außerdem in der sogenannten
Wechselreiterei statt, wenn Wechsel nicht ausgestellt werden auf
Grund wirklich erfolgter Geldleistungen, Warenlieferungen oder Dienste,
sondern wenn allein der Zweck maßgebend ist, durch Weitergabe von
Wechseln Mittel zu beschaffen, besonders wenn Akzeptant und Trassant
wechselseitig aufeinander ziehen und immer durch neue Wechsel
die alten decken. Durch umfangreiche Fortsetzung dieser Maßregeln
seitens einer Person, die noch eines unberechtigten Kredites genießt
oder den Kredit einer anderen mißbraucht, können erfahrungsgemäß
sehr bedeutende Summen verloren gehen, und Bankerotte von Geschäfts-
leuten und besonders Banken herbeigeführt werden.

Wechsel
reiterei.

& 57.

Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Wechsels.
Leugner, Der Wechsel in seiner wirtschaftlichen Bedeutung. Berlin 1895.
Rich, Wille, Die volkswirtschaftliche Verwendung des Wechsels, 1907.
Siehe weitere Literatur zu 8 59.
Wie zur Zeit der Wechselmessen der Wechsel sich als notwendig
arwies, um die Gefahren und Kosten der Barsendungen und die
Umstände .des Geldwechselns zu ersparen, so in der Gegenwart, um
Zahlungen z. B. in überseeischen Ländern mit verschiedener Wäh-
rung und Münze ohne Barsendungen zu vermitteln, und zwar haupt-
sächlich durch das Eintreten der Banken als Zahlungsvermittler,
wobei diejenigen natürlich den Vorrang behaupten, welche den größten
and verbreitetsten Kredit besitzen, deren Wechsel überall gern
yenommen werden, so daß diese als allgemeines Zahlungsmittel
dienen können. Darin lag bisher das unbedingte Uebergewicht Eng-
lands als Zahlungsplatz und der englischen Citybanken als inter-
nationaler Zahlungsvermittler, denen erst in neuerer Zeit Deutsch-
ijand und Frankreich sich mit Erfolg zu entziehen suchen, indem sie
Jurch eigene, große Banken mit Weltruf die Zahlungen direkt ab-
zuwickeln streben. Aber noch für lange Zeit werden die englischen
Banken das Uebergewicht behalten und können für viele Zahlungen,
namentlich nach dem Orient, noch nicht entbehrt werden.

Das Verfahren pflegt das folgende zu sein: Ein Londoner Haus, das
Baumwolle aus New-Orleans bezogen hat und dafür dorthin 100000 M.
schuldet, zahlt diese nicht in bar nach New-Orleans, sondern der
dortige Lieferant zieht einen Wechsel auf das Londoner Haus, den
dieses akzeptiert, und beauftragt es darin, die Summe an ein Londoner
Bankhaus zu zahlen, mit dem er in Verbindung steht, oder an eine
Bank in New-Orleans, die den Wechsel auf eine Londoner Bank in-
dossiert, deren Kunde sie ist. Dadurch, daß der Name der Londoner
Bank mit ‚auf dem Wechsel steht, wird dieser ein internationales
Zahlungsmittel. Die Bank in New-Orleans, die dem Kaufmann die
Summe auszahlte und dafür den Wechsel erhielt, gibt vielleicht auch
den Wechsel an ein anderes Haus, welches eine solche Summe für
eine Sendung Waren nach New-York zu entrichten hat. Derselbe
Wechsel wird event. noch zu einer weiteren Zahlung in Boston be-
nutzt und geht dann nach London. um dort für Baumwollenstoffe an

[nternationales
Zahlungs-
mittel.