‚992

einen englischen Fabrikanten Zahlung zu leisten, der sich die Summe
daraufhin bei seinem Bankier gutschreiben läßt, Dieser zieht den
Wechsel ein und der Betrag findet schließlich in dem Clearinghouse
die Ausgleichung mit Forderungen der Bank des Wechselakzeptanten
gegen die einziehende Bank oder es erfolgt die Zahlung durch
Uebertragung in dem Girukonto. Es kann aber auch die Abmachung
zwischen dem Verkäufer in New-Orleans und dem Käufer in London
so geschehen, daß der Londoner Schuldner Tratten auf New-Orleans
oder New-York in Höhe von 100000 M, kauft und seinem Gläubiger
direkt als Rimessen, d. h. zur Deckung seiner Schuld schickt, ebenso
wie die Tratte von New-Orleans auf London mehrfach als Rimesse
diente. Auf solche Weise werden mit demselben Wechsel verschie-
dene Zahlungen an entlegenen Orten getilgt, und Forderungen und
Gegenforderungen gleichen sich im internationalen Wechselverkehre
ebenso aus, wie wir es bei dem Scheckverkehre beobachtet haben.
An Stelle der Barzahlung findet die Wechselzahlung statt und die
Konzentrierung derselben auf einzelne Banken und schließlich auf
jas Girokonto einer Zentralbank. Wie im Mittelalter auf den Wechsel-
messen die, Zahlungsbriefe zusanimehströmten und dort von denen
%Ezogen wurden, die sie zur Zahlung brauchten, so sind ‚es...in.der,
Gegenwart. die großen Börsenplätze, an denen. ‚alle, Arten...von im
Xxüslande fälligen Wechseln zur Verfügung gestellt und gekauft werden.
Die Vermittler pflegen dabei die kleineren Banken zu sein. Sie treten
außerdem ein, um die internationalen Zahlungen zu erleichtern, wenn
entsprechende Wechsel nicht vorhanden sind. Genau so wie im
Mittelalter der Geldwechsler auf seinen Socius an einem anderen
Orte einen Zahlungsauftrag ausstellte, so geschieht es auch heute,
daß Banken auf ihre Geschäftsfreunde im Interesse ihres Kunden
einen Wechsel ziehen, um für ihn die Zahlung im Ausland zu leisten,
während es bei Gelegenheit ebenso umgekehrt geschieht. Anderer-
seits gestatten die Kaufleute dem Verkäufer in einem überseeischen
Orte, sagen wir für Lieferung von Baumwolle, einen Wechsel auf
sie zu ziehen. Der Wechsel wird an die Bank des Verkäufers über-
tragen, die ihn dann ihrerseits als Zahlungsmittel für das Ausland
verwenden kann.

In dieser Weise wird bei weitem der größte Teil der internatio-
nalen Zahlungen durch Wechsel vollzogen und an den Zentralpunkten,
wie gezeigt, zur Ausgleichung und Abrechnung gebracht. In neuerer
Zeit macht der Scheck dem Wechsel als Zahlungsmittel wachsende
Konkurrenz. Endlich kommt die sog. Auszahlung in Betracht.
Diese ist eine Anweisung, bei einer bestimmten Bank eine bestimmte
Summe zu erheben. Der Verkäufer der Auszahlung weist seinen
Korrespondenten, jene ausländische Bank, gegebenenfalls telegraphisch
an, so daß Zeit gespart wird, aber auch Zinsverluste und Stempel-
kosten nicht entstehen. |

Als Kreditmittel spielt der Wechsel, wie wir sahen, auch in dem
internationalen Handel eine große Rolle, aber weit mehr im Inlande
selbst, hauptsächlich wiederum durch Vermittlung der Banken. Wer
Wechsel diskontiert, braucht in der Regel nicht Kapital, das hat er
in Form von Wechseln in der Hand, sondern er braucht Geld zur
Befriedigung eines unmittelbaren Zahlungsbedürfnisses.

Der Kauf und Verkauf im Großverkehre geschieht heutigen
Tages zum größten Teil auf Kredit, wie bereits oben auseinander-