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gesetzt. Der Kaufmann bezieht Waren von Fabrikanten, die er nur
zum kleinsten Teile bar bezahlt, den größten läßt er sich kreditieren,
auf 6 Wochen, ein Viertel-, ein halbes Jahr. Er rechnet darauf, in
dieser Zeit die Ware zum größten Teil wieder verkauft und das Geld
dafür erlangt zu haben, um es dann zurückzahlen zu können. Der
Fabrikant kann solange aber nicht auf das Geld verzichten. Er läßt
sich deshalb entweder einen Eigenwechsel ausstellen, in dem der
Käufer sich nach Ablauf der Stundungsfrist zur Zahlung verpflichtet,
oder er zieht auf den Käufer einen. Wechsel, .und dieser.erklärt.durch
AKzept sich zur Zahlung bereit. In beiden Fällen wird die Bank
Herangezogen, um dem Fabrikanten das nötige Geld vorzuschießen.
Der Eigenwechsel wird auf sie indossiert, und der Fabrikant erhält
nach Abzug des Zinses bis zum Verfallstermine, Diskont genannt,
las Geld vorgeschossen. Oder der Käufer ist durch die Tratte an-
yewiesen, die Summe an die Bank zu zahlen, und diese zahlt den
Betrag sofort an den Fabrikanten aus und zieht ihn zur Verfallszeit
von dem Käufer ein. Auch sonst läßt sich der Lieferant durch einen
Wechsel befriedigen, den er seiner Bank verkauft, den er, wie der
technische Ausdruck lautet, von der Bank diskontieren läßt.
Dieses Kreditgewähren auf Wechsel ist heutigen Tages das haupt-
sächlichste Geschäft der Banken und heißt das Diskonto- oder
Eskomptgeschäft.

Man rechnet, daß in Deutschland im Jahre gegen 40 Milliarden M.
in Wechseln in den Verkehr treten, und in jedem Momente gegen
8 Milliarden sich in Umlauf befinden. Die Reichsbank hatte im Jahre
1899: 4734000, 1906: 5220119, 1913: 5575000 Stück Wechsel an-
yekauft und zur Einziehung übernommen, in einem Betrage von
1899: 9,3, 1906: 10,66, 1913: 12,70 Milliarden M. Der durchschnitt-
liche Bestand war im ersten Jahre 817, 1906 989 Millionen und
schwankte 1906 zwischen 774 Millionen am 15. Februar und 1396
Millionen am letzten September desselben Jahres. Es sind dies die
Momente im Jahre, wo fast stets die extremsten Zahlen zu finden sind.

(Siehe die Tabelle auf Seite 195.)

Diskonto-
geschäft.

8 58.
Der Wechseldiskont.
V. Sivere, Beitrag zur Geschichte und "Theorie des Diskontes. Jahrbücher f.
Nationalökonomie 1872, Bd. XIX.

RK. Maync, Der Diskont. Jena 1899.
Jul. Landmann, System der Diskontopolitik. Leipzig 1900.
Obst, Wechsel- und Scheckkunde. 4. Aufl. Leipzig 1911,
Schwarz, Diskontpolitik. Leipzig 1911.
Diskont (engl. discount, ital. sconto) bedeutet den Abzug von Pro-
zentet: des Nennwertes einer zu zahlenden Geldsumme und wird beson-
üers angewendet auf den Abzug, den die Bank beim Ankauf des
Wechsels für den Zins bis zum Fälligkeitstermin macht. Er bildet
den Profit jenes erwähnten ausgedehnten Bankgeschäftes des Dis-
kontierens von Wechseln. Bankdiskont oder Bankrate ist der von
der Zentralnotenbank veröffentlichte Zins, zu dem diese wichtigste
Diskontstelle Wechsel kauft. Der Privatdiskont der Börse, der in der
Regel niedriger ist, betrifft besonders qualifizierte nach Sicherheit,
Zahlungsort, Zahlungszeit und Betrag erstklassige Wechsel. Verschieden

Conrad. Grundriß der palit. Oekonamie. I. Teil. 8 Anufß. 2