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Unter der Diskontierung von Buchforderungen ver-
steht man die Abtretung von buchmäßig nachzuweisenden offenen
Warenforderungen an eine Bank gegen flüssige Mittel, die diese ge-
währt. Diese Beleihung von Buchaußenständen wird in Oesterreich,
Frankreich und Amerika seit längerer Zeit, in Deutschland erst seit
kurzem und auch nicht in großer Ausdehnung betrieben. Die Dis-
kontierung von Buchforderungen wird in sehr verschiedener Weise
ausgeübt und begegnet teilweise erheblichen Bedenken.

859.
Die internationale Zahlungsbilanz
und der Wechselkurs.
+. J. Goschen, Theorie der auswärtigen Wechselkurse. Frankfurt 1875.

Schraut, Die Lehre von den auswärtigen Wechselkursen. Berlin 1881.

Seyd, Bullion and foreign exchanges. London 1873.

Arendt, Die internationale Zahlungsbilanz. Berlin 1878.’

; Abe CE, Zur Lehre von der internationalen Zahlungsbilanz. Heidel-
erg , \

‚Heiligenstadt, Beiträge zur Lehre von den auswärtigen Wechselkursen. Jahrb.
F. Nationalökonomie 1892, BA. IV, V und VI

Sonndorfer, Die Technik des Welthandels. Wien 1889.

Fr. Koch, Der Londoner Geldverkehr. Münster 1905,

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Sartorius v. Waltershausen, Das volkswirtschaftliche System der Kapitalanlage
im Auslande. Berlin 1907,

J. Wolf, Das internationale Zahlungswesen, Leipzig 1913.

Bei den gewaltigen Summen, welche in dem internationalen Handel
durch den Import eines Landes an das liefernde Land zu zahlen und
bei dem Export von dem exportierenden zu fordern sind, können
sich beide gegenüberstehende Ziffern nicht immer vollständig aus-
gleichen, und ebenso. kann es bei dem Gesamtaußenhandel eines
Landes vorkommen, daß dasselbe für größere Werte Waren bezogen,
als ausgeführt hat und ebenso umgekehrt, und sich somit ein Defizit
der ein Ueberschuß bei der internationalen Zahlungsbilanz eines
Landes herausstellt. Es ist nun eine wichtige Frage, von welcher
Bedeutung derartige Ergebnisse für den Volkswohlstand sind, welch
einen Einfluß sie auf die wirtschaftlichen Verhältnisse des Landes
ausüben, auf welche Weise solche Differenzen ausgeglichen werden.
Und da in letzterer Hinsicht der Wechsel eine erhebliche Rolle spielt,
müssen wir hier näher darauf eingehen. |

Wie ein Privatmann, so kann auch ein Land mehr ausgeben, als
8s produziert und an das Ausland verkauft, wodurch es genötigt ist,
auf Kosten des Vermögensstandes durch Ausfuhr von Edelmetall oder
durch Kontrahierung von Schulden im Auslande die Differenz zu be-
gleichen. Diese Möglichkeit ist von der Adam Smithschen Schule
unterschätzt. Nicht richtig ist es aber, eine jede Differenz zwischen
jer Aus- und Einfuhr eines Landes als einen. solchen Verschuldungs-
der, wie man es auch bezeichnet hat, Verblutungsprozeß anzusehen.

ae Die merkantilistische Richtung des 17, und 18. Jahrhunderts
4andelsbilanz. hatte bekanntlich die Auffassung, daß eine günstige Handelsbilanz,
d.h. eine solche, bei der die Ausfuhr größer als die Einfuhr ist, den
Wohlstand des Landes am besten zu fördern imstande sei, in der
Voraussetzung, daß dadurch das Ausland zur Barzahlung genötigt sei,
und der Gold- und Silbervorrat im Lande dadurch vesteigert werde.