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schwankt. Der Preis, welchen ein Wechsel hat, wird nun sein Kurs:
yenannt, und der Wechselkurs wird, wie aus dem Vorhergesagten
hervorgeht, durch die Gestaltung des Handelsverkehrs zwischen den
Ländern bestimmt. So müssen Devisen in dem Lande mit über-
wiegenden Forderungen, die im Auslande einzukassieren sind, billig
sein, während sie in einem Lande mit überwiegenden Zahlungsver-
pflichtungen teuer sind. Je nachdem sich diese Zahlungsver-
pflichtungen steigern oder vermindern, wird auch der Wechselkurs
steigen oder sinken,

Diese Momente sind mithin die eigentlich bestimmenden für den
Wechselkurs. Doch treten noch andere hinzu, die einen Einfluß auf
ihn haben. Selbstverständlich hängt der Wert des Wechsels ab von
der Valuta, auf welche er lautet, welche also in dem Fälligkeitslande
maßgebend ist. Das Wertverhältnis der Währung, mit der man den
Wechsel kauft, zu der Währung, auf die der Wechsel lautet, tritt
dann hervor, wenn Angebot und Nachfrage an Wechseln sich die
Wage halten. Wir nennen es das Wechselpari. Dieser Pariwert ist
ein feststehender, wenn die Währungen gleiche Grundlage haben,
z. B. das Gold, und wird bei Verschiedenheit dieser Währungsgrund-
lage von allen Schwankungen des Wertes der Währung beeinflußt.
Lautet der Wechsel auf ein Land mit Papierwährung, so wird der
Kurs des Papieres in erster Linie bestimmend für den Preis des
Wechsels sein.

In dritter Linie kommt die Sicherheit des Wechsels in Betracht.
Ist eine Weltfirma dafür haftbar, so kann der Wechsel ganz andere
Verwendung finden als ein solcher mit Unterschriften unbekannter
Männer. Auch eine größere Zahl von Unterschriften, wodurch die
Sicherheit gesteigert ist, kann den Preis erhöhen. Viertens ist die
Dauer des Wechsels bis zur Verfallzeit von Wichtigkeit, und da immerhin
eine längere Frist Gefahren in sich schließen kann, so pflegt der
Kurs kurzsichtiger Wechsel ein höherer zu sein, als der von Wechseln
mit langer Frist.

Die Kursschwankungen sind nun nach oben und unten begrenzt.
Die obere Grenze liegt da, wo es vorteilhafter wird, statt mit einem
Wechsel zu zahlen, bar Geld zu schicken, wo der Aufwand der Tran-
sportkosten geringer ist, als der Aufschlag auf die gewöhnlichen
Preise des Wechsels nach dem Münzwertverhältnis. Diese obere
Grenze wird auch der Goldausfuhrpunkt genannt, wo eben das
Metall an die Stelle des Wechsels tritt. Indessen kommt es selten
zu solchen Barsendungen aus Veranlassung des hohen Kurses. Denn
die Bankiers halten es dann für vorteilhafter, entsprechende Wechsel
zu schaffen, indem sie solche auf ihre Geschäftsfreunde im Bestim-
mungslande ziehen, oder es gelingt, von anderen Börsenplätzen ent-
sprechende Wechsel heranzuziehen. Nach Heiligenstadt wurde
in London bei Wechseln auf Berlin der Goldpunkt in den Jahren
von 1886—1891 von 610 Notierungen 5mal erreicht, 95mal über-
schritten, in Berlin auf London von 929 Notierungen 2mal erreicht,
13mal überschritten. Die Goldeinfuhr Deutschlands aus England
betrug in diesen Jahren 12,8 Mill. M., die Einfuhr Englands aus
Deutschland nur 1,1 Mill, M. Die untere Grenze des Wechselkurses
wird dann erreicht, wenn für den ausländischen. Schuldner, dem der
Wechsel nach dem Kurswert in Anrechnung gebracht wird, die Ver-
3aendungs-, Versicherungs- und ev. Prägungskosten der Goldzahlung

Wert der
VYaluta.

Sicherheit des
Wechsels.

jrenzen der
Fursschwan-
kungen.