208 —

Üurreney-
school.

Gefahren der
Vatenemission.

lungen oder Ausbruch einer wirtschaftlichen Krisis Zahlungsstockungen
eintreten, die die Flüssigmachung bedeutender Mittel notwendig machen.
Gerade in solchen Zeiten ist es von der höchsten wirtschaftlichen
Bedeutung, daß Banken vorhanden sind, die sich eines allgemeinen
Kredits erfreuen und auf Grund desselben durch die Notenemission
in kürzester Frist Hunderte von Millionen aus der Erde stampfen
können, die nun dazu dienen, der Geschäftswelt Vorschüsse zu machen
und ihr damit über den toten Punkt hinfortzuhelfen. Es bleiben in
solchen Zeiten den Geschäftsleuten eine Menge Zahlungen aus, der
Absatz stockt, ein großer Teil der Waren ist unverkäuflich, die Kauf-
leute erhalten daher nicht die Summen, auf welche sie gerechnet
hatten, und die sie brauchen, um die ausstehenden Forderungen
zu decken. Bei den Banken werden fällige Wechsel nicht eingelöst
und erwartete Depositen bleiben aus, während ihre Kunden größere
Darlehen beanspruchen, um ihre Zahlungen fortsetzen zu können.
So tritt überall Geldmangel ein, und eine Menge solider und in an-
gemessenen Vermögensverhältnissen befindlicher Firmen sind in Ge-
fahr, ihre Zahlungen einstellen zu müssen, weil sie nur momentan
die nötigen Gelder nicht beschaffen können. Die gewöhnlichen Banken
versagen mit ihrer Hilfe gerade unter solchen Verhältnissen, weil ihr
Kredit erschüttert ist und sie doppelte Vorsicht walten lassen müssen.
Welch ungemeiner Segen liegt nun darin, wenn die großen Notenbanken,
z. B. unsere Reichsbank, bei allgemeiner Geldnot eine halbe Milliarde
durch Notenausgabe in der kürzesten Frist flüssig zu machen und der
soliden Geschäftswelt auf Wechsel zu Verfügung zu stellen vermögen.
Eine Unmasse Firmen werden dadurch in den Stand gesetzt, ihre
Geschäftstätigkeit fortzusetzen, und enorme Kapitalsverluste werden
dadurch verhindert, die Wirkung der Krisis wird abgeschwächt und
ihre Dauer wesentlich abgekürzt Es gibt bis jetzt kein anderes Mittel,
die zerstörende Wirkung wirtschaftlicher Krisen zu mildern, als die
Ausgabe ungedeckter Noten. Es ist aber klar, daß gerade die Emisson
über den Barvorrat hinaus allein diese Wirkung haben kann, und es
heißt deshalb der Waffe die Spitze abbrechen oder der Hilfsmaschine
las bedeutsamste Zahnrad rauben, wenn man die Notenausgabe auf
len Barvorrat beschränken will, wodurch gerade die Beweglichkeit und
Elastizität des Geldumlaufs verloren geht. Und doch verlangte die
80g. Currency-School (im Beginne des Jahrhunderts David Ricardo,
Mitte der 40er Jahre Samuel Jones Loyd in England, in den
50er und 60er Jahren Faucher, Prince Smith, dann Knies
and W. Endemann in Deutschland), wegen der damit verbundenen
Gefahr die Beseitigung ungedeckter Noten.

Die Gefahr der Ausgabe ungedeckter Noten liegt für die Banken
selbst natürlich darin, daß, sobald der Kredit erschüttert wird, ihnen
die Noten massenhaft zur Einlösung präsentiert werden, nicht
wieder in Zahlung genommen werden, wodurch die Banken zur Ein-
stellung ihrer Zahlungen gezwungen werden können, wenn die Ausgabe
von Noten zu große Dimensionen angenommen hatte. Ist die Noten-
zirkulation im ganzen Lande eine große und allgemeine, so wird im
Falle der Krisis eine allgemeine Zahlungsstockung eintreten, indem
Niemand die Noten nehmen will, und die übrigen Umlaufsmittel für
den Verkehr nicht ausreichen, so daß durch diese Zahlungsstockungen
sich eine allgemeine wirtschaftliche Krisis entwickeln kann. Ende der
30er Jahre des 19. Jahrhunderts war dies im ausgedehntesten Maße in