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den Ver, Staaten Nordamerikas der Fall, wo eine übergroße Zahl von
Banken von der freigegebenen Notenemission Gebrauch gemacht hatte
und sich bei dem Eintritt ungünstiger Konjunkturen nicht zu. halten
vermochte, Infolgedessen trat eine allgemeine Diskreditierung der
zirkulierenden Noten ein, und Jahre waren notwendig, um erst wieder
normale Verhältnisse herzustellen.

Aber auch abgesehen von solchem Extrem liegt die Gefahr eines
Mißbrauchs der Notenemission von seiten der Banken vor, wenn ihnen
nicht besondere Schranken gezogen sind; denn wir sahen, daß jede
Notenausgabe für sie die Erlangung eines unverzinslichen Darlehens
in sich schließt. Es liegt deshalb in der Natur der Sache, daß jede
mit dem Notenprivilegium versehene Privatbank danach streben wird,
möglichst viel Noten in Umlauf zu halten, um dieses Darlehen aus-
zunutzen. Dieses kann durch Gewährung unberechtigter Darlehen
und Animierung gewagter Unternehmungen geschehen, um dadurch
größere Summen zur geschäftlichen Anlage zu bringen, als Bedarf
dafür vorliegt. Die Folge davon ist: Ueberproduktion und Ueber-
spekulation, damit Untergrabung der Solidität der wirtschaftlichen
Verhältnisse. Außerdem können die Banken durch mancherlei Mani-
pulationen, namentlich durch die Ausgabe von Noten mit geringem
Wert, dieselben in die unteren Klassen der Bevölkerung bringen,
welche die Rücklieferung an die Banken nicht so leicht zu bewirken
vermögen und dadurch mehr Noten in Umlauf erhalten, als gebraucht
werden. Wir werden zu untersuchen haben, auf welche Weise diese
Gefahren gemildert, wo nicht beseitigt werden können, ohne darum
lie Vorteile aufzugeben. Zunächst aber wollen wir noch die Eigen-
‚ümlichkeiten des Papiergeldes untersuchen, um durch die Ver-
zleichung mit der Note deren Eigenschaften um so besser charakteri-
sieren zu können.
$ 61.
Das Papiergeld.
Bluntschli u. Brater, Staatswörterbuch. Ad. Wagner, Art. Papiergeld.

4d. Wagner, Staatspapiergeld, Reichskassenscheine und Banknoten. Berlin 1874,

W. Endemann, Rechtsgutachten in der Papiergeld- und Banknotenfrage. Hirts
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HFöldes, Beiträge zur Frage über die Ursachen und Wirkungen des Agios und
Beiträge zur Statistik des Agios. (Jahrb. f, Nationalökonomie, N. F., Bd. IV.)

Ebenda 1892, 3, F., Bd. II u. IV: Menger. Beiträge zur Währungsfrage in
Desterreich-Ungarn.

Gruber, Statistische Beiträge zur Frage der Währung in Oesterreich. Jena 1890.

Schmidt, Agio und Wechselkurs, Heidelberg 1892,

Lesigang, Agio in Oesterreich. Jahrb. f. Nationalökonomie, Bd. XXVII,
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Lexis, Die Aufhebung des Zwangskurses in Italien. Jahrb. f. National-
jkonumie, N, F,, Bd. II,

Ders,, Papiergeld. Handwörterb. der Staatsw. 3. Aufl.

Im eigentlichen Sinne des Wortes sind unter Papiergeld nur
unverzinsliche Schuldscheine zu verstehen, die der Staat als gesetZ-
liches Zahlungsmittel] mit oder ohne Einlösungsversprechen, also mit
Zwangskurs ausgibt (Preußische Tresorscheine von 1806 und 1807, die
Assignaten der französischen Revolution, Greenbacks der Vereinigten
Staaten, seit 1879 uneinlöslich, aber noch gesetzliches Zahlungsmittel,
österr. Reichsschatzscheine von 1849—1854 und Noten der österr.
Nationalbank seit 1848; Noten der Bank von England von 1797—1821).

Conrad, Grundriß der polit. Oekonomie. I Teil & Ann 14