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früher mit 100 M, begannen, darauf mit 20 M., und diese Scheine
sind oft für gewisse Zahlungszwecke erwünscht und durchaus beliebt.
Es lag um so weniger ein Grund für ihre Beseitigung vor, als ein
entsprechendes Quantum Goldmünze (300 Mill.) als Reichskriegsschatz
in dem Spandauer Juliusturm aufbewahrt wurde, und ‘die dadurch
verlorenen Zinsen und Umlaufsmittel. durch das Papiergeld ersetzt
werden. Bei Beginn des Krieges von 1914 ist durch Ges, vom 4. Aug.
eine wesentlich höhere Ausgabe von Reichskassenscheinen und Reichs-
banknoten gestattet. An den Orten der Reichsbankhauptstellen und
Reichsbankstellen sind Darlehenskassen eingerichtet, die nach Be-
kanntmachung v. 11. Nov. Darlehenskassenscheine bis zu 3 Milliarden
unter Sicherung, wie sie für die Reichsbanknoten vorliegt, aus-
yeben dürfen. Die Scheine werden in Apoints zu 50, 20, 10, 5, nach
der Bekanntmachung v. 31. Aug. auch zu 2 und 1 Mark ausgefertigt
und sollen zu Darlehen zu mindestens 100 M. auf 3, ausnahmsweise
auf 6 Monate gegen Pfand verwendet werden, Die Reichskassen-
scheine sind.bis auf weiteres gesetzliches Zahlungsmittel. Die Reichs-
bank _ist..von...der Einlösungsverpflichtung ihrer Noten "entbunden.
Wie weit eine solche” Vermehrung papierner Zahlungsmittel” ohne
Schaden geschehen kann, muß abgewartet werden. Denn wird die
Papierausgabe im Uebermaß ausgedehnt, wie das in der Bedrängnis
des Krieges Anfang der sechziger Jahre in den Ver. Staaten von
Nordamerika, 1866 in Italien geschah, so ändert sich die
Wirkung sehr bedeutend. KErreicht die Ausgabe das Quantum,
welches zur Deckung des Zirkulationsbedarfes ‚ausreicht, so ver-
drängt dasselbe mehr und mehr das Hartgeld, das aus dem Ver-
kehre verschwindet. Jeder hält dasselbe als das sicherere zurück
and zahlt nur mit Papier. Barzahlungen, die an das Ausland zu
richten sind, müssen hingegen im allgemeinen in klingender Münze
vollzogen werden, da das Papier im Auslande keine Zirkulations-
fähigkeit hat, oder wenigstens nach kurzer Zeit dem Inlande wieder
zugeschoben wird. Sobald aber noch größere Mengen von Papiergeld
auf den Markt geworfen werden, die also den Bedarf übersteigen,
findet eine Entwertung desselben gegenüber dem Metall statt, welches
ein Aufgeld oder Agio erhält, d.h. für 100 Lire in Gold erhält man
etwa 105 Lire in Papier, jene 5 Lire bilden das Agio, um welches
las Papiergeld weniger wert ist als das Metall, und je mehr Papier
den Markt überschwemmt, um so größer ist die Entwertung. Die
Gold- und Silbermünze, welche nicht bar in den Kassen aufbewahrt
wird, wird eingeschmolzen oder in das Ausland verschickt. Bei
großer Entwertung des Papiers wird es schließlich auch vorteilhaft,
die Silberscheidemünze einzuschmelzen, die einen höheren Wert hat,
als das darauf lautende Papier. In früheren Zeiten, z. B. in Oester-
reich Ende der vierziger Jahre, sah man sich deshalb genötigt,
immer kleinere Scheine auszugeben, bis auf Zehnkreuzerscheine, und
wollte man fünf Kreuzer zahlen und hatte nicht das nötige Kupfer
zur Hand, so zerriß man das „Zehnerl“ in zwei Hälften und machte
daraus zwei Fünfer. In der nordamerikanischen Union hatte man
dagegen Anfang der sechziger Jahre ein neues Hilfsmittel in den
Postmarken, welche als Scheidemünze fungierten. Je größer der
Üeberschuß des ausgegebenen Papiergeldes über den Bedarf ist, um
so mehr tritt zu der Wirkung des zu großen Vorrats noch die Dis-
kreditierung der Staatsgewalt und. die Furcht. daß der Staat nicht

Folgen der
Zuvielauszabe.

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