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Kursschwan-
kungen.

Wirkung der
Kursschwan-
kungen.

imstande sein wird, die ausgegebene Menge zum vollen Werte wieder
einzulösen, und daß deshalb die Inhaber desselben Verlusten entgegen
gehen. Politische oder wirtschaftliche Konjunkturen, welche ey.
neue Anforderungen an die Staatskasse stellen können, üben einen
erheblichen Druck auf den Kurs des Papiergeldes aus; und je mehr
der Kredit des Staates sinkt, um so mehr verliert auch das Papier
an Wert. Ein extremes Beispiel hierfür bietet bekanntlich die
französische Revolution mit der Assignatenwirtschaft. Jene Scheine,
die mit Zwangskurs ausgegeben wurden, waren trotz aller Straf-
bestimmungen, die bis zur Todesstrafe gegen denjenigen vorgingen,
der sich weigerte, die Assignaten zu dem darauf verzeichneten Werte
zu akzeptieren, nicht vor der extremsten Entwertung zu bewahren,
so daß. die zuletzt ausgegebenen 20 Milliarden nur noch einen Wert
von einigen Millionen repräsentierten. Man konnte den Kaufmann
nicht zwingen, die Waren zu dem gewöhnlichen Preise abzugeben,
wenn man sie mit Assignaten bezahlen wollte, sondern die Preise
stiegen in das Unermeßliche, so daß man für ein Pfund Butter ein
paar hundert Livres, für ein Paar Stiefel 1000 Livres in Assignaten
zahlte. Zuletzt benutzte man sie, um Zimmer damit zu tapezieren,
weil man sie in anderer Weise nicht verwerten, konnte, Auch das
von den amerikanischen Südstaaten während des Bürgerkrieges aus-
gegebene Papiergeld sank schließlich auf ein Zehntel des ursprüng-
lichen Wertes herab.

Aber auch wenn die Ausgabe nicht so in das Extrem geht, son-
äern im Durchschnitte etwa dem Bedarfe entspricht, sind Schwan-
kungen im Kurse nicht zu vermeiden. Denn dadurch unterscheidet
sich das Papiergeld von der Note, daß die letztere durch ihre Ein-
lösbarkeit, wie wir sahen, sich dem Bedarf an Zirkulationsmitteln
anpaßt, und bald mehr, bald weniger Noten im Umlauf sind, indem
der Ueberschuß von selbst in die Banken zurückströmt, während bei
dem Papiergeld eine bestimmte Summe ausgegeben und dauernd in
Zirkulation erhalten wird. Je mehr Zahlungsmittel bei einem regen
wirtschaftlichen Leben gebraucht werden, um so mehr verschwindet
ein vorher empfundener: Ueberfluß, und der Kurs der Papiere steigt
durch die erweiterte Nachfrage. Eine Erschlaffung der wirtschaft-
lichen Tätigkeit läßt dagegen den Bedarf an Umlaufsmitteln sinken,
und der Vorrat an Papiergeld erscheint zu groß, die Folge davon
ist ein Sinken .des. Kurses. So waren noch in den letzten Jahren in
Rußland wie in Oesterreich, als man sich der Aufnahme der Barzahlung
in Metallgeld mehr und mehr näherte und die Ueberschüsse an Papier
eingezogen waren, fortdauernd Kursschwankungen zu beobachten, die
nicht auf politische Momente zurückzuführen waren, Umgekehrt kann
man die Tatsache, daß in Oesterreich Anfang der neunziger Jahre
die Noten höher im Werte standen als das Silber, auf welches sie
lauteten, mit Karl Menger nur darauf zurückführen, daß sich ein
Mangel an Noten ‚herausgestellt hatte. und ihr Wert dadurch beson-
ders erhöht war. | ; 5 .

Der volkswirtschaftliche Einfluß dieser Kursschwankungen ist
nun ein äußerst nachteiliger,. zunächst auf den internationalen Handel]
und die Produktionszweige, welche mit diesem in Zusammenhang
stehen. Ein niedriger Kurs des Papiergeldes wirkt naturgemäß wie
ein Schutzzoll. Das Ausland kann.seine Waren im Inlande nicht mit
Nutzen verkaufen. weil es. entwertetes Papier dafür erhält. und die