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Die obigen Zahlen zeigen die außerordentlichen Schwankungen,
welche das Agio in den verschiedenen Ländern mit Papierwährung
von einem Jahre zum anderen, wie auch innerhalb desselben Jahres
aufgewiesen hat. In Kriegszeiten, wo der Kredit des Staates ge-
fährdet ist, sind sie leicht erklärlich. Während des nordamerikanischen
Bürgerkrieges betrug das Agio im Juli 1861 noch 6%, 1862 18 Us
1865 66 "/, "/o, im Juli 1864 gar 157%, August 1865 44°, um dann
langsam aber stetig zu sinken, bis die Barzahlung wieder aufge-
nommen und der Umlauf der Greenbacks ausreichend reduziert war.

Die Zahl der mit Zwangskurs in Umlauf befindlichen Noten
allein ist nicht ausschlaggebend. Bei gutem Kredit des Staates und
starker Entwicklung des Verkehrs kann sie, ohne daß die Noten im
Werte gedrückt werden, eine erhebliche Erhöhung erfahren, während
in Zeiten wirtschaftlicher Depression das Apgio steigt, auch wenn
sonstige Veränderungen nicht stattgefunden haben. Ende des Jahres
1866 waren in Italien nur 250 Mill. L. Papiergeld ausgegeben, das
Agio war sehr hoch, 1869 betrug die Summe 278 Mill. und der Noten-
kurs war gleichwohl sehr herabgegangen. Der Umlauf betrug in den
foldenden Jahren: 1870 445, 1871 629, 1872 740, 1874 880, 1881
940 Mill. L. Der Kurs war bis 1877 allerdings gestiegen, dann aber
trotz weiterer Erhöhung der Ziffer gesunken.

In Rußland waren 1852 308 Mill. Rubel Papiergeld ausgegeben,
1857 714 Mill, 1858 690, während der Wechselkurs auf London (nach
Ad. Wagner) in dem ersten ‚Jahre 38,2, im zweiten 37,2, im dritten
35,9 war. Dann blieb die Summe bis 1866 so ziemlich gleich, um im
folgenden Dezennium bis 1876 auf 790 Mill. zu steigen, 1870—71 er-
hob sie sich auf 1040 und 1188 Mill, sank bis 1884 auf 1045 Mill,
worauf sie längere Zeit unverändert blieb. Im Jahre 1879, wo die
Münz- und Währungsreform aufgenommen wurde, waren noch 1068
Mill. R. in Noten im Umlauf. Der Wechselkurs ermäßigte sich 1877
auf 25,8 und blieb bis 1885 24,1. Wir sehen den Kurs dann 1888
erheblich sinken, obwohl die Notenmenge nicht verändert war, um
dann wieder bis 1893 anzuwachsen und seitdem das Niveau zu be-
wahren. Am 16. Nov. 1914 waren 100 Rubel in Deutschland noch für
197 M., 100 Fres, französische Noten für 89 M, infolge der Nachfrage nach
denselben für unsere Soldaten auf feindlichem Boden zu haben. Da
die Börse geschlossen war, so handelt es sich um private Umsätze
bei einer größeren Bank.

In Oesterreich erreichte der Notenumlauf 1866 die Höhe von
einer halben Milliarde, stieg 1873 auf 703 Mill, ging 1879 auf 630 Mill.
herab, hatte 1891 834, 1898 856 Mill. betragen. Ende 1896 war er
auf 798,2 Mill. vorübergehend zurückgegangen, ohne darum eine Kurs-
veränderung herbeizuführen. Die Zunahme der Bevölkerung wie des
ganzen Verkehrs verhinderte ein entsprechendes Sinken des Kurses.
Die Anpassung der Verwendung an den Vorrat ist aber wie ersichtlich
eine große. Nicht jede Verminderung oder Vermehrung des umlaufenden
Quantums übt einen Einfluß auf den Kurs aus. Am 16. Nov. 1914 war
der Kurs nur auf 78,50 gesunken.