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Die Börse ist seit langer Zeit für die ganze Volkswirtschaft durch
die besondere Verzeichnung der bei ihr an den einzelnen Börsentagen
durchschnittlich gebotenen und gezahlten Preise von außerordentlicher
Bedeutung geworden, d. i. durch die Aufstellung des Kurszettels an
der Fondsbörse, der Preisübersicht an der Warenbörse, welche für die
Preisregulierung im ganzen Lande und noch darüber hinaus maßgebend
yeworden sind. Die verschiedenen Börsen stehen miteinander tele-
zraphisch in Verbindung und beeinflussen sich gegenseitig durch die
Mitteilung darüber, wie sich bei ihnen die Preise gestaltet haben. Die
Kurs- und Preiszusammenstellung geschieht nun in Deutschland durch
die Makler, welche auf Grund der Schlußscheine am Ende der Börse
die Durchschnitte für die darin bezeichneten Geschäfte anfertigen und
danach Kurse und Preise feststellen. Nach dem Gesetz von 1908
erfolgt die amtliche Feststellung der Kurse durch den Kommissar des
Börsenvorstandes auf Grund der von den Kursmaklern vorbereiteten
Kursaufstellung. Bei dieser definitiven amtlichen Kursfeststellung
sollten außerdem noch der Börsenvorstand, die Börsensekretäre und
Vertreter der beteiligten Berufszweige mitwirken. Die Kursmakler
sind besondere aus der Zahl der Makler ausgewählte und besonders
vereidigte Persönlichkeiten. (E.Loeb, Kursfeststellung und Makler-
wesen an der Berliner Effektenbörse. Jahrb. f. Nat.-Oekon. 1890, Bd. XI.)
Bei Ausbruch des Krieges von 1914 wurden in allen in Betracht
kommenden Ländern die Börsen geschlossen und damit die Kurs-
notierungen suspendiert, um die Spekulation niederzuhalten.

Kurszettel.

8 67.
Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Fondsbörse
in der Gegenwart.
Pfleger und Geschwindt, Börsenreform in Deutschland. München 1897.
E. Ehrenberg, Die Fondsspekulation und die Gesetzgebung. Berlin 1883.
Struck and Wiedenfeld. a. a. O0.
An der Börse konzentrieren sich in außerordentlichem Maße Ver-
käufer und Käufer für dieselben Güter. Dadurch wird einem Jeden
lie Möglichkeit geboten, das dort gehandelte Objekt in der leichtesten
und angemessensten Weise loszuwerden und ebenso es zu erlangen.
Die dort ausgebildete weitgehendste Konkurrenz führt im großen
Durchschnitte am besten zur Anpassung der Preise an die tatsäch-
lichen Verhältnisse, denn das Verhältnis von Angebot und Nachfrage
tritt dort am übersichtlichsten zutage. Man kann mit Zuversicht
sagen, daß, wenn eine solche Einrichtung sich nicht historisch bereits
entwickelt hätte, man genötigt wäre, sie neu zu schaffen, da sie sich
als unentbehrlich für unser Wirtschaftsleben herausgestellt hat. Sie
ist nicht etwas willkürlich Geschaffenes, sondern mit innerer Notwendig-
keit allmählich so Gewordenes. Die Fondsbörse erleichtert es dem
Kapitalisten, sich diejenige Anlage zu suchen, die er aus der großen
Auswahl nach dem Kurszettel für seine Verhältnisse als am passendsten
ansieht. Er ist sicher, dort das Papier zu finden, welches er wünscht,
wenn es überhaupt verkäuflich ist, und ebenso kann er darauf rechnen,
dort einen Käufer für sein Papier zu finden, wenn es irgend Anspruch
auf einen Kurs erheben kann: und die dort zutage tretende Kon-

Erleichterung
der Kapitals-
anlaze.