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Emissionen nach Wertpapierkategorien in Prozenten.
1905 | 1906 | 1907 | 1908 | 1909 | 1910 | 1911 | 1912
37.75| 23,138 -_ 34,17 u 34,18| 29.42' 30,22
‚ 9,70] 8,68 933 6,47 50 10,25 1718 16,40
43.28 9,34 52,72 57,80/ 46.05 42 12! 50,97 50.00
8.27/38,58'_1.46|_1 56! 10.00| 13.47|_2,43 3,38
100 | 100 | 100 | 100 | 100 | 100 | 200 | 100

Ausgleichende
Wirkung des
Terminhandels.

so bildet sich sofort eine Kontremine, um ev. ä la baisse zu spekulieren.
Je mehr ihre Auffassung der Wirklichkeit entspricht, um so mehr
Anhang gewinnt sie und erlangt ein Uebergewicht, bis auch sie die
angemessene Grenze überschritten hat, und wiederum die Hausse-
spekulation mehr Chancen gewinnt. Auf diese Weise findet eine viel
größere Ausgleichung der Preise statt, als sie ohne dieses Mittel
möglich wäre, und die Untersuchungen von Gustav Cohn (Jahrb.
f. Nat.-Oek. 1867) und seinem Schüler Kantorowitch (Jahrb. f. Ges.
u. Verw. 1891, S. 1183) haben statistisch ergeben, daß tatsächlich
vermittels des Terminhandels die Vorausbestimmung der Preise für
den Herbst immer genauer geworden. ist und die Fehldifferenz sich
in sehr bedeutendem Maße verringert hat. Damit hängt zugleich zu-
sammen die örtliche Ausgleichung der Preise und Kurse. Noch vor
wenigen Dezennien war der Zinsfuß in den einzelnen Teilen Deutsch-
lands ein außerordentlich verschiedener und so auch der Kurs der
Papiere mit einem gleichen Zinsfuß. Die ostpreußischen Kommunal-
anleihen und Pfandbriefe waren auf den Absatz innerhalb der Provinz
angewiesen und zeigten einen viel niedrigeren Kurs,als z. B. die der
Provinz Brandenburg. Heutigen Tages ist die Differenz eine nur
unbedeutende und verschwindet mehr und mehr, weil auch die ost-
preußischen Papiere hauptsächlich an der Berliner Börse umgesetzt
werden und ihren lokalen Charakter verloren haben. In der gleichen
Weise haben in früheren Zeiten die kleinen Getreidehändler in den
Provinzen die dortigen Preise beherrscht und waren natürlich in aus-
gedehntestem Maße in der Lage, sie zu ihrem eigenen Vorteile zu
gestalten. In der Gegenwart ist der Berliner Markt maßgebend für
ganz Deutschland, auch der kleine Landwirt liest die Börsenpreise
in seinem Wochenblättchen und hat damit ein Gegengewicht gegen
die Willkür des Händlers. ‘Daher die allgemeine Beobachtung, daß
die Kaufleute in der Provinz große Gegner der Berliner Börse und
vor allem .des .nivellierenden Terminhandels sind. Einen schlagenden
Beweis hierfür bietet die Vergleichung der Preisgestaltung von Gerste,
and namentlich Hafer, welche wenig oder gar nicht dem Termin-
handel unterworfen ‚sind, deren Handel überhaupt weniger zentrali-
siert ist, gegenüber Roggen und Weizen, welche in verfeinerter Weise
gehandelt werden, was später noch statistisch darzulegen sein wird.

Der Terminhandel ist auch nicht plötzlich und willkürlich ein-
geführt, sondern hat sich allmählich aus einem praktischen Bedürf-
nisse heraus entwickelt. Einzelne Beispiele werden dieses leicht
klarlegen. Das Bedürfnis ging nach zwei Richtungen hin, einmal
freier über die Ware verfügen und die Konjunkturveränderungen um
so besser ausnutzen zu können, auf der anderen. das Risiko verteilen