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anterwegs. Die Preise beginnen herunterzugehen, so daß er fürchten
muß, der. ihm dadurch drohende Verlust überschreite seine Leistungs-
fähigkeit, während er auf der anderen Seite. immer noch hofft, daß
sich die Preise baldı wieder heben werden. Er sucht deshalb Deckung
durch ein Termingeschäft, indem er die halbe Ladung für den Moment
des KEintreffens derselben zu dem zu erlangenden Preis verkauft.
Gehen nun auch die Preise weiter herunter, so trifft dieses nur noch
die halbe Ladung. Das Risiko ist zur Hälfte auf andere Schultern
abgewälzt. Besonders wichtig aber ist für ihn, daß er seine Javar
ware feinerer Qualität in der Hand behält, während es sich bei
einem Termingeschäfte: um eine mindere Qualität handelt, die gar
nicht geliefert zu werden braucht. Er kann deshalb seinen Kaffee
zum. Teil in Havre verkaufen, zum Teil in London und ihn dort ab-
setzen, wo er die höchsten Preise erlangen kann.. Die Gewinn-
chancen, die in den von ihm gewählten Sorten liegen, bleiben ihm
ungeschmälert. Der Warenumsatz wird durch diese Spekulation gar
nicht berührt. Der Terminhandel, der ihm Rückendeckung schaffte,
ermöglichte ihm eine Ausdehnung des Geschäftes, die ihn sonst leicht
ruinieren konnte. . Das Geschäft wurde für ihn ein gefahrloseres,
solideres. Wie die Aeltesten der Kaufmannschaft Hamburgs in einer
Petition zum Schutze, des Kaffeeterminhandels an den Reichstag aus-
einandersetzten (s. auch Bayerdörfer, Der Kaffeeterminhandel,
Jahrb. £. Nationalökon., 3. F., Bd. I, 1891), war es Hamburg nur durch
die Heranziehung des Terminhandels möglich. gewesen, den Kaffee-
handel mehr und mehr bei sich zu konzentrieren und ihn von Havre
in höherem Maße abzuziehen, und so der Zentralmarkt für Europa
zu werden, während. bis. dahin Havre drohte der Vorort für.den
europäischen. Kaffeemarkt zu werden. Ebenso legten sie dar, daß
Hamburg sicher. die. Ueberlegenheit wieder einbüßen würde, sobald
man ihm den Terminhandel nähme, dadurch den großen Umsatz er-
schwerte‘ ‚und gefahrvoller machte.

Man weist nun vielfach auf. die Größe des Papierumsatzes hin,
der ‚allerdings den realen Umsatz bedeutend zu übersteigen pflegt.
Man hat berechnet, daß im Termingeschäfte in einem Jahre wohl
das dreißigfache an Santoskaffee umgesetzt ist, als überhaupt auf der
Erde geerntet wurde, und Aehnliches ist für das Getreidegeschäft
konstatiert. ‚Es: liegt. dann der Gedanke nahe, daß infolgedessen
die tatsächliche Ernte für die Preisbestimmung bedeutungslos sein
müßte... Das. ist aber durchaus falsch; bleiben wir bei unserem letzten
Beispiel. Der Kaufmann, welcher die halbe Schiffsladung Kaffee an
der Hamburger Börse im Termingeschäfte ‚verkaufte, setzte diese an
einen Börsenspekulanten ab, der selbst gar keinen Speicher hat und
die Ware gar nicht kaufen kann. Er. will vielmehr allein an Preis-
schwankungen profitieren... Sobald er daher Jemanden findet, der
ihm ‚schon ‚am‘ nächsten Börsentage zu.einem etwas höheren Preise
den Kaffee abnimmt, so schlägt er ihn. auch‘ los und begnügt sich
mit dem Gewinn der Preisdifferenz. Ebenso macht es der Abnehmer-
und so geht dieselbe Schiffsladung: an einem Börsentage häufig durch
mehrere Hände und wechselt. während der 6—8 Wochen bis zur
Ultimoregulierung vielleicht 10, 20, 30 mal den Besitzer. Die Grundlage
hierfür bleibt dieselbe Schiffsladung, die in den Ziffern des Termin-
aandels drei-, vielleicht dreißigmal vorkommt, daher diese Zahlen das
dreißigfache Quantum aufweisen... Der Terminhandel stützt sich mithin
jurchaus auf den realen Handel, er hat keinen anderen Ausgangspunkt.