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Aus dem zuletzt Gesagten geht bereits hervor, daß der Termin-
handel auf einer weiteren Ausbildung der Arbeitsteilung beruht.
Dem Kaufmann, der mit reeller Ware handelt, treten wiederum als
Abnehmer der Ware Kaufleute gegenüber, und sie finden sich an der
Börse zusammen. Sie machen Zeit- und Lieferungsgeschäfte für be-
stimmte Fälle des Warenbedarfes, aber auch zugleich reine Speku-
lationsgeschäfte unter Benutzung des Terminhandels. Außerdem aber
kommen noch reine Börsenspekulanten hinzu, die von der Ware selbst
vollständig absehen und nur aus den Preis- und Kursschwankungen
Gewinn zu erzielen suchen, also dem eigentlichen Kaufmann ent-
gegenzustellen sind. Auch diese Klasse der Händler erfüllt eine
wesentliche wirtschaftliche Aufgabe. Sie tritt da ein, wo ein realer
Abnehmer der Ware nicht zu finden ist. Sie macht ein Geschäft
daraus, den Kaufleuten einen Teil des Risikos abzunehmen, und muß
dafür natürlich auch entsprechend entschädigt werden; sie bildet die
Kraft, die das Böse will und das Gute schafft.

Ganz besonders haf man gemeint, daß der Terminhandel in Ge-
treide schädlich wirke und einseitig zugunsten der Spekulanten bald
die Preise zum Schaden der Landwirte zu sehr erniedrige, bald zum
Schaden der Konsumenten zu sehr erhöhe. Die Statistik gibt hierfür
durchaus keinen Anhalt, bezeugt vielmehr das Gegenteil, wie die
schon erwähnten Untersuchungen Cohns, sowie unsere eigenen über
die Monatspreise des Brotgetreides und den engen Zusammenhang
der Preise der verschiedenen Börsen ergeben.

Es ist bei den Landwirten eine sehr allgemein verbreitete An-
sicht, daß die Preise in der ersten Zeit nach der Ernte künstlich
von den Kaufleuten gedrückt werden, um das Getreide billig in die
Hand zu bekommen und die Preise gegen Ende des Erntejahres
ibermäßig zu erhöhen, weil sie dann allein über den Vorrat dis-
ponieren und von hohen Preisen ausschließlich einen Vorteil haben.
Unzweifelhaft ist es richtig, daß nach dieser Richtung das Interesse
der kaufmännischen Welt liegt. Wenn sie also die Macht in Händen
hat, einseitig die Preise zu beeinflussen, so wird es unzweifelhaft
in dieser Weise geschehen. Die folgende Tabelle, welche die Ver-
hältniszahlen der Monatspreise zum Durchschnittspreise des Ernte-
jahres zeigen, beweist nun aber das Gegenteil. (S. Jahrb. f£. Nat.-
Oekon. 1895. Bd. IX. S. 258.)

Getreide-
‚erminhandel.

(Siehe Tabelle S. 248.)
Einmal ist der Preis am Ende des Jahres nur um einen Prozent-
satz höher, der kaum ausreicht, um die Kosten der Lagerung und
Behandlung, sowie den Zinsverlust zu decken, die auf 4—7°%, des
aufgespeicherten Getreides zu veranschlagen sind. Von 1883—93
stand in Berlin der Weizen im ersten Vierteljahr 176,3 M. per Tonne,
im letzten Vierteljahr des Erntejahres 182,6 M., das ist eine Differenz
von rund 4°/,. Nach der Reichsstatistik war sie nur 4,8 M., bei den
Ultimopreisen war sie allerdings größer: 10,5 M., aber auch dieses
sind nur 6%; bei dem Roggen, wo die Börse und der Terminhandel
besonders dominierend waren, dagegen nur 2,3 M. (151,1 und 153,4 M.),
also noch nicht 2°%,. Außerdem aber ergibt sich, was besonders bei
lem Roggen schlagend hervortritt, daß sich das Verhältnis im Laufe
der Zeit für den Landwirt nicht verschlechtert, sondern im Gegen-
teile erheblich verbessert hat. Von 1816/65 war die Preisdifferenz