—— 9249

zu erkennen. Im übrigen verfolgen sie gemeinsam denselben Weg.
Wohl läßt sich von Tag zu Tag, auch wohl von Woche zu Woche,
mitunter, wenn auch nur ganz ausnahmsweise selbst von Monat zu
Monat ein selbständiges Vorgehen eines Börsenplatzes erkennen, dann
aber hat er sich dem Einfluß des Weltmarktes zu fügen. Es ergibt
sich, daß alle Plätze demselben Einfluß unterworfen sind, dem Ver-
hältnis von Angebot zur Nachfrage im Weltverkehre. Die einzelne
Börse vermag wohl momentane Schwankungen herbeizuführen, und diese
sind unzweifelhaft durch den Terminhandel vergrößert, sie hat sich auf
die Dauer aber dem Einfluß der tatsächlichen Verhältnisse zu fügen.

Wenn nun die Untersuchungen von Cohn außerdem ergeben
haben, daß die Vorausbestimmung der Preise durch den Terminhandel
allmählich immer korrekter geworden ist, so kann man sich schwer-
lich dem Schluß entziehen, daß sich in dem Terminhandel ein Mittel
ausgebildet hat, die Monatspreise mehr und mehr den tatsächlichen
Verhältnissen anzupassen. Wie aber das Zünglein um so leichter
bald nach der einen, bald nach der anderen Seite abweicht, je feiner
die Wage ist, so müssen innerhalb kürzerer Fristen die Schwan-
kungen durch den Terminhandel auch größer sein als ohne denselben.

$ 69.
Gefahren der Börse.

Nachdem wir so die Vorteile, ja die unbedingte Notwendigkeit
der Börse und der Börsengeschäfte darzulegen versucht haben, ist es
nun unsere Aufgabe, auch die Schattenseiten und Gefahren derselben
zu charakterisieren, die in der neueren Zeit mehr und mehr hervor-
getreten sind und dazu geführt haben, daß man die Börse als den
„Giftbaum“ bezeichnet hat, der das wirtschaftliche Leben korrumpiere
and deshalb beseitigt werden müsse, Die Uebelstände liegen nach
zwei Richtungen, einmal darin, daß die Oeffentlichkeit und Zugäng-
lichkeit der Börse dem großen Publikum die Spekulation ermöglicht
und weite Kreise dazu verleitet hat, die nur einen Schaden davon
haben, so daß die Gesamtheit dadurch Verluste erleidet. Auf der
anderen Seite zeigt es sich, daß die berufsmäßigen Börsen-Spekulanten
Gelegenheit zum Mißbrauch der Börse finden und das Publikum in
ihrem Interesse auszubenten vermögen.

Das erst erwähnte Moment hat wiederum in zweierlei Hinsicht
Bedeutung, einmal indem Geschäftsunkundige und nicht genügend Be-
mittelte sich am Börsenspiel beteiligen und natürlich viel häufiger
verlieren als gewinnen und mehr einbüßen, als sie wirtschaftlich zu
tragen. vermögen, wodurch nicht nur sie selbst, sondern auch weitere
Kreise, die mit ihnen in Zusammenhang stehen, leiden müssen. Auf
der anderen Seite liegt es nahe, daß die Beteiligung weiter Kreise
ohne Fachkenntnis und entsprechende Uebersicht Verschiebungen in
den Preisen wie in den Kursen herbeiführen kann, die durchaus un-
gerechtfertigt sind. Doch kann naturgemäß die Börse die Beteiligung
weiter Kreise nicht entbehren, und es liegt sehr nahe, daß der Land-
wirt, der Industrielle auch die Preisentwicklung seiner Produkte ver-
folgt und daraus an der Börse Nutzen zu ziehen trachtet. Hiergegen
ist natürlich die Gesetzgebung völlig machtlos, und alle Gewalt-
maßregeln, um ungeeignete Elemente von der Börse fernzuhalten,
bleiben dadurch wirkungslos, daß das Publikum sich der Vermittler
bedient, die ihre Aufträge ausführen, der Bankiers, Kommissionäre usw.,
lie man von der Börse nicht ausschließen kann.

Beteiligung
SEE