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JTohhbertum.

Mehr klarliegend sind die Schäden, die sich in dem Mißbrauch
der Börse durch die berufsmäßigen Spekulanten, dann durch die
Bankiers herausgebildet haben. .

Es handelt sich dabei um Manipulationen, um das Publikum über
den Wert der an der Börse gehandelten Gegenstände zu täuschen,
durch Verbreitung falscher Nachrichten in einer bestechlichen Presse
oder an der Börse selbst, Bei allgemein gehandelten Gegenständen,
wie Getreide, Staatspapieren usw. wird dies nur von vorübergehender
Wirkung sein; nachhaltiger dagegen bei Aktien, wo die Rentabilität
der Unternehmungen falsch dargestellt werden kann, wogegen nur
die nachhaltige Haftung der Beteiligten für ihre Veröffentlichungen
eine Hilfe zu gewähren vermag. Von besonderem Nachteil sind die
Maßnahmen, die offiziellen Kurs- und Preisnotierungen fälschlich zu
beeinflussen, insbesondere durch Scheingeschäfte, indem Geschäfts-
freunde an der Börse Käufe und Verkäufe abschließen, nur zu dem
Zwecke die Preisnotierung zu veranlassen und damit die Kurse und
Preise zu beeinflussen. Noch allgemeiner ist die willkürliche Ver-
schiebung der Preise durch momentane, bedeutende Verkäufe und
Ankäufe, um dadurch die Preise künstlich in die Höhe zu treiben
der herunter zu drücken, wenn z. B. bei bedeutenden Zahlungen
Wertpapiere zum Tageskurse in Anrechnung gebracht werden sollen
oder dergl. Es kommt ferner die Ringbildung in Betracht, um durch
gemeinsame Ankäufe im großen nicht nur momentan, sondern auch
nachhaltig Preise und Kurse zu beeinflussen. Doch ist dabei im
Auge zu behalten, daß diese künstliche Preistreiberei in großer Aus-
dehnung auch außerhalb der Börse z. B. in Bodenwerten stattgefunden
hat. Man braucht nur an die großen Schweinefleischaufkäufe zu
denken, die vor einigen Jahren in Amerika stattfanden und die
Fleischpreise gewaltig in die Höhe trieben; an die Gründung des
Kupferrings durch die Rothschildgruppe in Paris Ende der 80er J ahre,
welcher länger als ein Jahr die Preise beherrschte, die mit der Börse
yar nichts zu tun hatten.

Bei den Termingeschäften in Waren liegt die Gefahr vor, daß
ein Druck auf die Preise durch übermäßige Herabsetzung der
Lieferungsqualität veranlaßt wird, und daß, wo die Qualität der
Waren nicht groß genug ist, die Preise von einzelnen Interessenten
deeinflußt werden können.

Auf der anderen Seite ist es klar, daß, je massenhafter der
Artikel vorhanden ist, je mehr er nicht nur auf einer einzigen Börse,
sondern auf den verschiedensten Börsen gehandelt wird, um so
schwerer die Beherrschung des Preises durchzuführen ist. Dasselbe
ist auch von den sogenannten Schwänzen zu sagen. Darunter ver-
steht man Vereinigungen zur Ausbeutung des Publikums, indem bei
einem nur in beschränkter Menge vorhandenen Artikel, z. B. Mehl
der feinsten Qualität, Lieferungsgeschäfte für einen bestimmten
Termin in großer Ausdehnung mit den verschiedensten Persönlich-
keiten unabhängig voneinander gemacht werden, während zugleich
der betreffende Artikel in größerer Menge unter der Hand aufgekauft
wird, um die Lieferung unmöglich zu machen oder doch nur unter
sehr bedeutender Preissteigerung geschehen zu lassen.

Beispiele dafür liegen sogar für Getreide vor. Im Herbst 1888
wurden von Hutchinson in Chicago 10 Mill. Bushel Weizen für
Ultimo September aufgekauft, wodurch der Preis von 147 M. vro