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lichen Kultur zu ermöglichen, wodurch sie reichlichen Ersatz für den
Zinsverlust erhoffen konnten.

Eine Menge großartiger Unternehmungen von nachhaltigster Be-
deutung sind nur auf diesem Wege zustande gekommen. Man braucht
nur an die Durchstechung der Landenge von Suez zu denken, deren
Ersprießlichkeit und Aufrechterhaltung noch bis zum letzten Spaten-
stiche bezweifelt wurde; oder an die Durchbohrung des Mont Cenis
und des Gotthards, die maßgebende Autoritäten für unmöglich hielten,
wegen der im Innern der Steinmasse zu erwartenden Hitze und schlechten
Luft. Noch als der „Great Eastern“ mit dem überseeischen Kabel
belastet unterwegs war, erschienen Schriften von wissenschaftlichen
Autoritäten, die die Unmöglichkeit nachzuweisen suchten, daß der elek-
irische Strom durch das auf dem Meeresboden ruhende Kabel bis nach
Amerika durchdringen könnte. Und gleichwohl fanden sich eine Menge
Privatleute, die gerne bereit waren, einige 100 Pfd. St. für das Ex-
periment zu opfern, welches ev. einen eminenten wirtschaftlichen Fort-
schritt zu inaugurieren vermochte; wie in den vorerwähnten Fällen der
Tunnelbauten die Regierungen verschiedener Staaten vorweg eine An-
zahl Aktien übernahmen, um den Anfang zu ermöglichen, und auch
die vielen Millionen, die erforderlich waren, durch die Beteiligung
des Privatkapitals leicht zusammengebracht werden konnten; aber nur
indem sich Tausende, zerstreut in der ganzen zivilisierten Welt, mit
kleineren Summen und mit darauf beschränkter Haft, daran beteiligen
konnten.

Handelt es sich um die Gründung eines Theaters, eines Kasinos,
eines städtischen Parks, einer Wohltätigkeitsanstalt, z. B. eines Luft-
kurortes für arme Schwindsüchtige, wo auf eine Verzinsung nicht ge-
rechnet werden kann, so finden sich wohl Leute, die bereit sind, ein
paar 100 M. dafür zu opfern, allein für den guten Zweck und unter
der Möglichkeit, sich allen weitergehenden Anforderungen zu entziehen.
Solche Unternehmungen kommen als Aktiengesellschaften wohl zu-
stande, aber kaum auf einem anderen Wege.

4. In den Aktiengesellschaften ist intelligenten Leuten Gelegenheit
geboten, als Direktoren, auch ohne selbst größeres Vermögen zu haben,
doch sehr bedeutende Mittel im wirtschaftlichen Betriebe zur Verwer-
tung zu erhalten und damit ihre Kräfte in besonderer Weise für die
Gesamtheit nutzbringend zu machen. Wiederholt sind Männer aus
hohen Posten im Staatsdienste an die Spitze von Aktiengesellschaften
getreten und haben dort eine bedeutende Wirksamkeit entfaltet.

Schließlich kann noch hinzugefügt werden, daß speziell die Staats-
verwaltung wie die Wissenschaft daraus Nutzen zu ziehen vermögen,
daß die Tätigkeit der Aktiengesellschaft durch ihre Jahresberichte
zur öffentlichen Kenntnis gelangt und damit Aufschluß über wirt-
schaftliche Fragen erlangt wird, der sonst nicht zu erzielen gewesen
wäre,

Diese charakterisierten Vorzüge sind so bedeutend, daß man sagen
kann, die Form der Aktiengesellschaften ist heutigen Tages nicht
zu entbehren, und wir verdanken ihr sehr bedeutende Fortschritte
in der Entwicklung unseres Wirtschaftslebens. Aber diesen Vorzügen
stehen auch bedeutende Nachteile gegenüber, die nun noch be-
sonders charakterisiert werden müssen, und die 'es erklärlich machen,
daß in der neueren Zeit die Aktiengesellschaften bedeutende An-
{eindungen erfahren haben.