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Leitung heranziehen können. Hierbei wurde nicht die Arbeitsteilung
durchgeführt, wie in anderen Ländern, vielmehr fand nicht nur die
Kombination von Bank- und Börsengeschäften, des Depositen- und
des Effektenhandels und der Emissionsgeschäfte, sondern auch der
Hypotheken- und anderer Geschäfte statt. Die bayrische Hypotheken-
und Wechselbank betreibt z. B. außer den erwähnten noch Versiche-
rungsgeschäfte. ; .

Mit dem Aufschwung der Industrie wurden naturgemäß immer
größere Ansprüche an die Leistungsfähigkeit der Banken und die
Erleichterung der Abwicklung der Geschäfte gemacht. Dem suchte
man außer in dem Uebergang zur Aktiengesellschaft durch lokale
Erweiterung der Tätigkeit, Verteilung des Risikos und Vereinigung
der Kräfte entgegenzukommen. In ersterer Hinsicht konnte man be-
obachten, wie sich die großen Banken mehr und mehr in Berlin als
Zentrum vereinigten und zugleich im Auslande und in den Provinzen
(wie die Reichsbank) Filialen, Kommanditen oder Agenturen gründeten,
während die Provinzialbanken in Berlin und anderen Orten Ver-
bindungen suchten. Die Bank für Handel und Industrie in Darm-
stadt gründete in 11 Städten (darunter in Wien und Paris) Zweig-
niederlassungen.,

Der zweite notwendige Schritt war die Anlehnung der kleinen
Banken an die großen, um sich ihre Hilfe bei Unternehmungen und
Kreditgewährungen zu sichern, für die die eigenen Mittel nicht aus-
reichten, sowie die Konsortialbeteiligung bei größeren Transaktionen
der Großbanken zur Verteilung des Risikos von Fall zu Fall und
Vergrößerung der disponibeln Kapitalien. Das ist die Vereinigung
zu gemeinsamem Vorgehen bei bestimmten Unternehmungen, wie die
Diskontobank früher mit der Rothschildgruppe Staatsanleihen über-
nahm. Auch hier können wir Ring- und Kartellbildungen verfolgen.
Diese treten hervor in einer weitgehenden und dauernden Krwerbung
von Aktien und Vertretung in dem Aufsichtsrat anderer Banken,
wodurch dieselben sich gegenseitig stützen und das Risiko teilen.

In dritter Linie steht die neueste Entwicklung beständiger Ver-
größerung des Aktienkapitals und die damit Hand in Hand gehende
Aufsaugung kleinerer Institute. Dies geschieht bald, wenn die letz-
teren sich in bedrängter Lage befinden, bald wenn es dem Zentral-
institut wünschenswert erscheint den lokalen Wirkungskreis, resp. den
Tätigkeitskreis zur Ergänzung des eigenen hinzuziehen. In solcher
Weise hat die Konzentration der Banken hauptsächlich in Berlin in
den letzten zehn Jahren außerordentliche Fortschritte gemacht.
Damit ist das Uebergewicht der Hauptstadt gegenüber den anderen
Städten und die Macht der hauptsächlichsten Großbanken außer-
ordentlich gewachsen, so daß die Gefahr einer Monopolherrschaft vor-
liegt. Die Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der Leiter sind
dadurch enorm gestiegen, wie ihre Verantwortung infolge ihres großen
Einflusses. Die Gefahr, daß dadurch die Privatbanken fortgefegt
werden könnten, will uns nicht so groß erscheinen, als sie vielfach
angenommen wird. Denn durch die weitere Ausbildung des Depo-
sitenverkehrs wird auch das Bedürfnis nach denselben entsprechend
gesteigert.

Wir greifen zwei Banken zur näheren Beleuchtung heraus, die
eine nachhaltige Bedeutung erlangt haben. Das sind die Diskonto-
gesellschaft und die Deutsche Bank in Berlin. Die erstere

Conrad, Grundriß der polit. Oekanomie T Tail & Aufl iR

Die Diskonto-
gesellschaft.