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Die deutsche
Bank.

ist von dem früheren Finanzminister und langjährigen Chef der
preußischen Bank, David Hansemann, schon 1851 als Kommandit-
gesellschaft auf Aktien gegründet. Die Geschäftstätigkeit erstreckt
sich nach den Statuten zunächst auf das Diskontieren von Wechseln
und das Depositengeschäft. Auch für jederzeit zahlbare Guthaben
wurde nach der ursprünglichen Geschäftsform eine Zinsvergütung von
1'/, °% gewährt. Erst im Jahre 1855 gewann die Bank modernen
Charakter durch Erhöhung des Aktienkapitals, sowie durch Ueber-
aahme größerer industrieller Unternehmungen und Ankauf von Wert-
papieren. Im Jahre 1864 bildete sie sich zu einer Emissionsbank
aus, indem sie namentlich die österreichische Silberanleihe jenes
Jahres in die Hand nahm und von diesem Momente an sich in Ver-
bindung mit dem Hause Rothschild die Vermittlung von Staatsanleihen
in ausgedehntem Maße zur Aufgabe machte (für Argentinien, Ru-
mänien usw.). Außerdem übernahm sie den Eisenbahnbau in ver-
schiedenen überseeischen Ländern, eine große industrielle Unter-
nehmung in Paris u. dgl. Der Gesamtbetrag der Geschäftsanteile
war 1852 ca. 10 Mill. M., 1855 26 Mill, 1867 schon 46 Mill. und ist
allmählich, besonders im Jahre 1903 ınfolge von Fusion mit anderen
Gesellschaften bis auf 170 Mill, 1912 auf 200 Mill. erhöht. In dem-
selben Jahre nahm sie eine alte Bankfirma in Bremen, sowie die
Norddeutsche Bank in Hamburg völlig auf und beteiligte sich an der
Umwandlung des Bankhauses Sal. Oppenheim jun. in Köln in eine
Kommanditgesellschaft, trat in ein enges Verhältnis zum Barmer
Bankverein, der den Dortmunder Bankverein durch Fusion aufnahm,
zowie zur Oberlausitzer Bank in Zittau und der Vereinsbank Zwickau.

Die Deutsche Bank ist erst 1870 gegründet und stellte sich
von vornherein die Aufgabe, die internationalen Geldgeschäfte des
deutschen Handels mehr und mehr in die Hand zu nehmen und sie
den englischen Banken zu entziehen. Deshalb kommanditierte sie
schon 1872 ein Bankhaus in New York, errichtete noch in demselben
Jahre eine Filiale in London unter dem Namen „Deutsche Agency“
allein mit 45 Mill. M., und beteiligte sich in dem folgenden Jahre
kommanditarisch bei dem schon seit längerer Zeit bestehenden Pariser
Bankhaus „Weisweiler & Goldschmidt“. 1874 beteiligte sie sich an
ler deutsch-belgischen Laplatabank, um auch in Südamerika festen
Fuß zu fassen. Die 1872 in Shanghai und Yokohama gegründeten
Filialen konnten sich nicht halten. Außerdem stationierte sie in
Bremen und Hamburg Filialen als Stützpunkte für den internationalen
deutschen Geldverkehr, Im Jahre 1886 wurde noch eine Filiale in
Frankfurt, im Jahre 1906 in Leipzig und Dresden errichtet. Außer-
dem unternahm die Bank seit Ende der achtziger Jahre erhebliche
Kisenbahnbauten im Orient (Anatolische und Bagdadbahn) und gewann
iort eine wachsende und sogar eine dominierende Bedeutung. 1890
beteiligte sie sich an den deutsch-österreichischen Mannesmannröhren-
werken, seit 1884 an den südafrikanischen Goldfeldern. Dazu ist
hinzugekommen die Gesellschaft für elektrische Hoch- und Unter-
yrundbahnen, die ostafrikanische Eisenbahngesellschaft, die Petroleum-
Produktionsgesellschaft Steana Romana, die Europäische Petroleum-
Union. Dauernd beteiligt ist das Unternehmen an 15 großen Bank-
yesellschaften. Von neuen Konsortialgeschäften, an welchen es im
Jahre 1913 als Hauptbeteiligter oder Emittent interessiert war und
die zum größten Teile in diesem Jahre abgewickelt sind, kommen