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7 Staatsanleihen, 5 städtische, Kreis- und Provinzialanleihen und 13 An-
leihen resp. Ausgaben von Aktien und Kuxen von Privatunternehmungen
in Betracht. Als Neugründungen sind die Kameruner Schiffahrts-
yesellschaft und die Santa Katharina-Eisenbahnbaugesellschaft zu
nennen. Das Konsortialkonto bestand am Jahresschluß 1913 aus:
37 Beteiligungen an deutschen Staats- und Kommunalanleihen und
Obligationen inländischer Gesellschaften mit 15,9 Mill. M. Aktienkapital
von 95 inländischen Gesellschaften mit 16 Mill, an 52 ausländischen
Anleihen mit 7,5 Mill, an Obligationen und Aktien von 119. aus-
ländischen Gesellschaften mit 7,9 Mill. und an 21 Grundstücks-
geschäften mit 6,15 Mill, im ganzen mit 53,5 Mill. M. ;

Neben dieser ausgedehnten Tätigkeit zur Förderung neuer
industrieller Unternehmungen und der internationalen Kredit- und
Zahlungsvermittlung hat sich die Deutsche Bank von Anfang an zur
Aufgabe gestellt, den Depositen- und Scheckverkehr in Deutschland
zu fördern und an sich zu ziehen. Durch die Errichtung einer
Anzahl Filialen in Berlin selbst suchte sie die Präsentierung der
Schecks und damit die Anwendung derselben besonders zu erleichtern.
Während das Aktienkapital 1871 15 Mill. betrug, stieg es schon 1881
auf 56, 1894 auf 75, 1900 auf 130 Mill, 1904 auf 180, 1906 auf
200 Mill. Die Depositen waren 1871 8 Mill, 1884 27 Mill, 1894
75 Mill, 1913 1580 Mill. M. Die Zahl der bel der Bank gehaltenen
Konten war 1883 10000, 1894 32 716, am 31. Dezember 1913: 289 709.
Die Zahl der Beamten beträgt 6638.

Die Dividenden der beiden erwähnten Banken haben sehr erheb-
liche Schwankungen gezeigt. Die Diskontogesellschaft zahlte von
1857—61 5%, in den folgenden Jahren 6°, 1868/69 9%, 1871/72
24 und 27%, 1876/77 4 und 5°%,, von 1879—87 mit unbedeutenden
Schwankungen 10 %,, 1889 14 °%,, 1892—93 6% ,, 1899 10%, 1901 8%,
L902/4 87/, %, 1905/6 9%, 1909 9%, %, 1910—1913 inkl. 10°%. Die
Deutsche Bank mußte sich in den siebziger Jahren mit dem durch-
schnittlichen Zinsfuß von 6°, begnügen. Anfang der achtziger Jahre
zahlte sie 10%, dann 6 Jahre 9°%, und blieb auf dieser Höhe bis
1894, 1899—1901 stieg der Satz auf 11°, 1904/6 12%, 1909—1913
inkl. 12% %.

Die hier besprochenen Beispiele zeigen eine außerordentlich weit-
gehende Vereinigung der verschiedensten Bank- und Börsentätigkeiten,
and ihnen treten mit ähnlichen Bestrebungen und bedeutenden Mitteln
noch eine ganze Anzahl anderer Banken an die Seite, während die
Anfang der siebziger Jahre in großer Zahl gegründeten Industrie-
oder Gewerbebanken mit rein spekulativem Charakter gegenwärtig
keine hohe Bedeutung mehr in Deutschland besitzen. Es ist dieses
mehr Privatunternehmungen, d. h. Bankiers vorbehalten, die durch
die erwähnte Verbindung der Bank- und Börsengeschäfte „Credits
mobiliers“ im kleinen repräsentieren. Nach dem früher Gesagten
kann es keinem Zweifel unterliegen, daß diese‘ Verbindung ihre
außerordentlichen Gefahren in sich schließt, und doppelt in einem
Lande, wo der Depositenverkehr im ganzen noch sehr schwach ent-
wickelt ist, und Verluste durch den Zusammenbruch einer solchen
Spekulationsbank das Publikum wiederum mißtrauisch machen und
vom Bankverkehr zurückschrecken müssen. Unzweifelhaft ist eine
Scheidung und ausgedehnte Arbeitsteilung zwischen den verschiedenen
Banken weit wünschenswerter als diese Verbindung. Auf der einen

18%

Kritik.