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Seite stehen die großen Notenbanken, die sich auf den Giroverkehr
und das Diskontogeschäft beschränken, wie das bei der deutschen
Reichsbank und den anderen in Betracht kommenden Zentralbanken
der Fall ist. Daneben stehen besondere Depositenbanken, die den
Schwerpunkt ihrer ganzen Tätigkeit darin sehen, von einem großen
Kundenkreis Depositeneinlagen heranzuziehen und diese wiederum in
demselben Kreise durch Erteilung von Darlehen an die Kunden zur
Verteilung zu bringen, wie dieses bei den Schulze-Delitzschschen
Volksbanken, den Schweizerischen Spar- und Leihkassen, dann bei
einer großen. Zahl von Aktienbanken und Bankiers in England und
den Vereinigten Staaten von Nordamerika der Fall ist. Sie sind es,
welche in Deutschland vor allem eine immer größere Ausdehnung
verdienen. Daneben sind die großen Effektenbanken oder Emissions-
banken nicht zu entbehren, die zugleich Gründungen mit ihren reichen
Mitteln im In- und Auslande unterstützen und dadurch außerordent-
lichen Nutzen stiften können, und es ist jedenfalls ein gesunderer
Zustand, daß eine Anzahl solcher Unternehmungen vorhanden ist, die
sich Konkurrenz machen, und deren Tätigkeit durch öffentliche Bericht-
erstattung allgemein kontrolliert werden kann, als wenn allein ein
großes Bankhaus, wie früher Rothschild, unbedingt dominiert.

ar Torbe- Zur Gründung eines großen Aktienunternehmens sind eine Menge

der Gründung Vorbedingangen erforderlich: vor allen Dingen 1. Intelligenz und Um-

von en sicht, um zu erkennen, wo eine Gründung am Platze und wie sie in
Angriff zu nehmen ist; 2. technische Kräfte, um den Voranschlag
anzufertigen und das Projekt selbst zu entwerfen; z. B. Architekten,
wenn es sich darum handelt, ein neues Arbeiter- und Villenviertel
ins Leben zu rufen usw. 3. Geld, schon zur Deckung dieser Vor-
arbeiten und zur Sicherung der Gründung selbst, um die Aktien zu
übernehmen, die im Momente von anderer Seite nicht gezeichnet
werden. 4. Ein bei dem Publikum in Ansehen stehender Name, um
dadurch bei demselben von vornherein Vertrauen zu dem Unternehmen
zu erwecken und es damit zum Ankauf der Aktien zu bewegen. All
dies vereinigen allerdings die großen „Credits mobiliers“ in ihrer
Hand und können dadurch den Unternehmungsgeist in außerordent-
licher Weise fördern.

Dagegen liegt für sie die Gefahr vor, daß bei den großen
Schwankungen, welche in dem wirtschaftlichen Leben fortdauernd
eintreten, nicht nur einzelne Jahre, sondern längere Perioden vor-
kommen, wie Ende der siebziger, Mitte der achtziger, Anfang der
neunziger Jahre, wo das Geschäftsleben in hohem Maße darniederliegt
und es deshalb schwierig ist, die bedeutenden Gelder, die bei. ihnen
konzentriert sind, angemessen zu beschäftigen. In solchen Zeiten
liegt die Versuchung nahe, auch gewagte Unternehmungen zu unter-
stützen, nur um die Gelder zur Verwertung zu bringen. Dadurch
ging der Credit mobilier der Gebrüder Pereire zugrunde, wie die
Unternehmungen der Union generale von Bontout; die großen deut-
schen Effektenbanken haben besondere akute Krisen von erheblicher
Bedeutung seit Dezennien nicht zu überstehen gehabt, und man kann
einer solchen Prüfung nur mit einiger Sorge entgegensehen. Bis
Ende 1914 scheint der Krieg ihnen allerdings ernstliche Erschütte-
rungen nicht verursacht zu haben,

(Siehe Tabelle S. 278 u. 279.)