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john Law.

übernommen hatten, während die letzten Verkäufer außerordentliche
Gewinne erzielt hatten. Die dadurch herbeigeführten Verschiebungen
in den Besitzverhältnissen hatten eine nachhaltige Stockung im Ver-
kehre zur Folge, es bildete sich infolge der Tulpenmanie eine Börsen-
krisis schlimmster Art mit all ihren Rückschlägen auf die allgemeinen
rolkswirtschaftlichen Verhältnisse aus.

Kin zweites überaus lehrreiches Beispiel ist die Schwindelperiode
John Laws in Frankreich Anfang des 18. Jahrhunderts. Der
Schotte John Law, unzweifelhaft ein Finanzgenie, kam 1716 nach
Paris, wo der Staat und der Hof des Regenten in der größten Finanz-
not schwebten, und erbot sich, in kürzester Frist die Kalamität zu
beseitigen, wenn man ihm für seine Finanzoperationen freie Hand
durch Privilegien gewährte. Sein Vorschlag ging dahin, durch Aus-
gabe von Papiergeld und künstliche Steigerung des Wertes sonstiger
Kreditpapiere sich neue Werte zu schaffen. Er erhielt zunächst die
Genehmigung zur Errichtung einer Privatnotenbank, die sofort großen
Anklang fand und gewaltigen Umsatz erzielte, weil er zu 6%, Dar-
lehen gewährte, während bis dahin 12 % gezahlt wurden... Doch dieses
solide. Vorgehen wurde bald aufgegeben und zu extremeren Mitteln
die Zuflucht genommen. Die Bank wurde in eine königliche Bank
umgewandelt und mit einer Notenausgabe von 110 Millionen Livres
betraut, denen besondere Vorzüge vor dem Silber eingeräumt wurden.
Im August 1717 gründete Law dann die sog. „Mississippigesell-
schaft“, um die Mississippiländereien, die ihm vom Staate mit vielen
Privilegien überlassen wurden, auszubeuten. Das Aktienkapital wurde
in 200000 Aktien zu 500 Livres zerlegt. Da das Publikum anfangs
die Aktien nicht nehmen wollte, so sah sich Law veranlaßt, mit
neuen Maßregeln vorzugehen: er inaugurierte ein künstliches Börsen-
spiel und sicherte den Teilnehmern eine Dividende von 12 % zu.
Durch Hinzuziehung der in Verfall geratenen ostindischen und chine-
sischen Kompagnie zur Mississippigesellschaft suchte er noch mehr
Papiere an die Börse zu bringen und bildete aus der Vereinigung
die „Compagnie des Indes“, Hierzu gab er 50 Millionen neuer Aktien
zu 500 Livres aus, auf welche die Einzahlung in Raten geschehen
konnte; und indem der Kurs sofort auf 550 angesetzt wurde, zahlte
man eine beträchtliche Prämie für den Ankauf von Aktien, zumal mit
500 Livres barem Gelde 10 Aktien gezeichnet werden konnten. Das
Recht zur Zeichnung einer neuen Aktie machte Law wieder ab-
hängig von dem Besitze der alten, der Mutteraktien. Außerdem er-
öffnete Law Lieferungsgeschäfte, indem er die Wiederabnahme von
Aktien nach einiger Zeit zu einem höheren Kurse in Aussicht stellte.
Dadurch gelang es, schon im Juni die Aktien zu einem höheren Kurse
von 1000 abzusetzen.

Um die nötigen Mittel zu sichern, wurde der Notenumlauf all-
mählich auf 400 Millionen Livres erhöht, und die Kompagnie über-
nahm die Generalpacht der Steuern, wofür sie dem Staate 1500 Mil-
lionen. zu 3 °% zur Tilgung seiner fundierten Schulden lieh. Um allen
Anforderungen gerecht zu werden, fuhr Law mit der Ausgabe neuer
Aktien fort und ebenso mit, der weiteren Emission von Noten, die
schließlich eine Milliarde Livres betrugen und noch mit Agio bezahlt
wurden, weil man sie zum Kauf der Aktien haben mußte. Die Masse
der Aktien, die nun auf dem Markte war, ermöglichte einer immer
größeren Zahl von Menschen, sich an der Spekulation zu beteiligen,