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auf 36 Mill. in einem Jahre. Die Durchschnittsdividende der Montan-
werke war:
1899/1900 18,67 Proz.
1900/1901 5,95
1901/1902 398 *
Der Kursrückgang der Elektrizitätswerke ist auf eine halbe
Milliarde zu veranschlagen. Sie zahlten:
1899 9,17 Proz.
1900 587 »
1901 446”
Die größeren Bankzusammenbrüche, die in Deutschland vor-
kamen, hatten aber mit den allgemeinen Konjunkturen nichts zu tun.
Sie waren allein auf extreme Spekulation einzelner gewissenloser
Direktoren zurückzuführen. Es hat vielmehr den Anschein, daß die
deutsche Geschäftswelt doch aus den früheren Vorgängen gelernt
hat, sich in Schranken zu halten, während die großen Banken das
Ihrige getan haben, um durch rechtzeitige Diskonterhöhung der
Spekulation entgegenzutreten und später durch reichliche und billige
Darlehn die Zahlungsstockungen überwinden -zu helfen. Im Winter
von 1901/2 sind in Deutschland auch Arbeiterentlassungen einge-
treten, aber nicht in solcher Ausdehnung, daß sie zu einer allge-
meinen Kalamität führten, und im Frühjahre 1902 schien die Arbeits-
losigkeit in der Hauptsache gehoben zu sein. Sie stellte sich zum
Winter aber wieder in verstärktem Maße ein. Erst das Jahr 1904
zeigte im ganzen wieder normale Verhältnisse, in manchen Branchen
sogar einen erheblichen Aufschwung. In den Vereinigten Staaten
trat 1903 der Zusammenbruch der zu hoch gegangenen Spekulation in
verheerender Weise ein. Der Kursrückgang betrug innerhalb eines
Jahres nach dem Geschäftsbericht der Deutschen Bank 3 Milliarden
Dollar im Momente des tiefsten Standes im Spätsommer allein an
der New Yorker Börse. Doch wurde die wirtschaftliche Kraft der
Vereinigten Staaten dadurch nur vorübergehend erschüttert. Auch
dort hatten sich bereits 1905 wieder normale Verhältnisse entwickelt.

Damit ist natürlich nicht gesagt, daß nicht später noch wieder
tiefgreifendere Krisen infolge zu weit gehender Produktion und
Spekulation eintreten werden, doch erscheint die Hoffnung begründet,
daß sie bei uns seltener und weniger verheerend auftreten werden.
In den Jahren 1905 und 1906 hatten wir besonders in Deutschland
eine Hochkonjunktur seltener Art zu verzeichnen, so daß selbst im
Winter in den Großstädten die Nachfrage nach Arbeitskräften größer
war als das Angebot und der Geldmangel in dem exorbitant hohen
Diskont von 6—7 % bei der Reichsbank zur Erscheinung kam, dem
auch der Landeszinsfuß bis auf fast 4°% folgte, wie aus dem Sinken
der Kurse der Konsols ersichtlich war. In gleicher Weise stieg der
Kisenbahnverkehr auf eine bisher nicht erreichte Höhe, so daß Ende
1907 unter dem Druck einer großen amerikanischen Krisis ein be-
deutender Rückschlag erfolgte.

Das Jahr 1908 setzte den Niedergang noch weiter fort und die
Arbeitslosigkeit nahm große Dimensionen an. Nur der Bergbau war
noch im ersten halben Jahre leidlich beschäftigt, während die Textil-
industrie in der zweiten Hälfte eine kleine Besserung erfuhr, die
1909 sich erfreulich fortsetzte. Hatte im ganzen noch bis in den