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notwendig ist, um das Leben und die Arbeitskraft zu erhalten und
zu fördern, außerdem diejenigen, welche eine höhere geistige Kultur
bedingen, also in ethischer Hinsicht läuternd, hebend, veredelnd auf
den Menschen zu wirken, vermögen, wie das vor allem von Kunst
and Wissenschaft zu sagen ist. Darüber hinaus werden die Lebens-
ansprüche allmählich immer schädlicheren Charakter annehmen, indem
sie Arbeit und Kapital absorbieren, ohne einen entsprechenden Nutzen
zu gewähren. In dem einzelnen Falle aber wird es meistens schwer
sein, zu unterscheiden, wo die Grenzlinie liegt, die Nützlichkeit auf-
hört, die Schädlichkeit beginnt. Dies wird am klarsten ersichtlich
sein, wenn man von dem äußersten Extreme beginnt und allmählich
sich der Mittellinie nähert.

Wir können hier absehen von einem Aufwand, dessen Schäd-
lichkeit ohne weiteres einleuchtet, der nur zerstörend wirkt, wie in
jenem Falle, wo Kleopatra dem Antonius eine in Pulver zerriebene
kostbare Perle zur Würze des Mahles vorsetzte, nur um den Kosten-
aufwand zu erhöhen, oder wie bei übermäßigem Genuß alkoholischer
Getränke usw, Hierher gehören auch an sich gutgemeinte Bestim-
mungen einzelner Fürsten, die polizeilich einen Aufwand förderten,
um den Verbrauch von Produkten zu steigern und damit mehr Ar-
eitsgelegenheit zu schaffen. Wenn Karl I. von England eine Ver-
ardnung erließ, daß alle Leichen in Wollenstoffe gekleidet begraben
werden sollten, um den Verbrauch derselben zu fördern und damit
der Wollenindustrie erweiterte Arbeit zuzuwenden, so liegt das Ver-
kehrte klar zutage, denn der erweiterte Verbrauch kam Niemandem
zugute, der Mehraufwand von Arbeit war nur vergeudet. Als man
im Jahre 1848 in Paris das Recht auf Arbeit und die Verpflichtung
der Regierung, die Arbeitslosen zu beschäftigen, anerkannte, schaffte
man Arbeitsgelegenheit, indem man in der Nähe von Paris Neupflan-
zungen, den Bois de Boulogne, anlegte. Als der Zustrom Arbeitsloser
aber immer größer wurde, und man nicht mehr Bäume zur Anpflan-
zung hatte, fuhr man fort, Gruben für Anpflanzungen ausgraben zu
lassen und sie nachher wieder zuzuwerfen. Man ließ gänzlich nutz-
lose Arbeit verrichten.

Die gleiche Vergeudung von Arbeit wird aber durch Maßregeln
herbeigeführt, die vielfach noch heutigen "Tages empfohlen werden,
um, wie man sich ausdrückt, Arbeitsgelegenheit zu schaffen und
Geld unter die Leute zu bringen. Das liegt vor, wenn z. B. bei
Hofe ein künstlicher Luxus gefördert wird, wie die Kaiserin Eugenie,
ım die Seidenindustrie in Lyon zu fördern, verlangte, daß ihre Hof-
damen bei jedem Hoffeste in neuen seidenen Kleidern erscheinen
sollten; und leicht wären die Beispiele zu vermehren, wo solche
volkswirtschaftlich verkehrten Maßregeln zu gleichem Zwecke ange-
vendet wurden.

Der Bau von Schlössern, für die kein Bedürfnis vorhanden ist,
and die fast gar nicht bewohnt werden, wird auf der gleichen Stufe
stehen. Monumentalbauten dagegen, die zur Förderung des künst-
ierischen Sinnes und einer edlieren Kunstrichtung beitragen sollen,
werden nicht den gleichen Bedenken unterworfen sein; sie haben
eine besondere höhere Aufgabe. Aber auch hier wird es darauf an-
kommen, ob die Finanzverhältnisse des Landes dafür ausreichen oder
nicht wichtigere Aufgaben dadurch beeinträchtigt werden, z. B. Er-
richtung von Schulen, an denen es fehlt usw. Es wird ferner zu

Wirkungen des
Luxos.