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m sehr ungleicher Weise belohnt. Dieses Moment hatte Ricardo
zum Ausgangspunkt seiner Grundrententheorie genommen, indem er
es für natürlich hielt, daß die ersten Ansiedler zuerst den ertrags-
fähigsten Boden in Angriff nehmen, und erst wenn dieser allgemein
Okkupiert ist und der wachsenden Bevölkerung nicht genügt, zu
immer leichterem Boden die Zuflucht genommen wird, der nur dürftigere
Ernten zu liefern vermag. Mit Recht hat demgegenüber der Amerikaner
Carey darauf aufmerksam gemacht, daß die ersten Ansiedler nicht
den absolut ertragreichsten Boden zuerst zu beackern pflegen, sondern
len, den sie mit ihren unvollkommenen Instrumenten und geringen
Arbeitskräften am besten zu bewältigen, und dem sie die größten
Erträge abzugewinnen vermögen. Das ist aber mehr der leichtere Boden
auf der Höhe, während erst nach stärkerer Besiedelung die Land-
wirte gemeinsam Entwässerungen, Deichanlagen usw. durchführen und
damit den weit ertragsreicheren humosen Niederungsboden der Land-
wirtschaft gewinnen; wie ebenso erst nach Fortschritteu der Kultur durch
Ainzuziehung von Maschinen und sonstigen Hilfskräften die großen
Baumriesen auf dem schweren Lehmboden bewältigt werden können,
und dann der ertragsreichste Boden der Kultur allmählich erschlossen
wird. Damit ist allerdings gezeigt, daß der Entwicklungsgang nicht
überall ein gleichartiger, sondern nach den Verhältnissen ein ver-
schiedener ist; die Tatsache der Ungleichheit der Bodenqualität bleibt
aber darum doch bestehen, und das Ergebnis daraus ist, daß, weil
der bessere Boden vermöge seiner chemischen und physikalischen Be-
schaffenheit bei gleichem Aufwand von Arbeit und Kapital größere
Ernten liefert, er in diesem Ueberschusse wiederum Grundrente
erzeugt, die der leichteste Boden nicht gewinnt.

Auch hier ist die zunehmende Bevölkerung genötigt, doch schließ-
lich immer ungünstigeren Boden in Angriff zu nehmen, und, wenn auch
ine längere Zeit eine Preissteigerung vermieden werden kann, weil
der Niederungsboden und der schwerere Lehmboden, der eventuell
erst später zur Kultur herangezogen wird, an Erträgen mehr gewährt
als der leichtere Boden, so hat doch auch dieses seine Grenze, und
schließlich muß teils sehr dürftiger, teils entfernter Boden mit zu
Hilfe genommen werden. Denn, — und das ist eine weitere wichtige
Lehre Ricardos, — schließlich verteuert sich die Pıoduktion auf
lem ursprünglich bebauten Boden durch gesteigerten Aufwand von
Arbeit und Kapital erheblich, und es wird vorteilhafter, solchen höheren
Aufwand zu unterlassen und dafür leichteren und dürftigeren Boden
in Angriff zu nehmen, als ihn die ursprünglichen Ansiedler ihren Ver-
hältnissen entsprechend für lohnend erachteten. Auch hier hat Carey
mit Recht gezeigt, daß vielfach ein neuer Aufwand, z. B, an Dünger,
an Arbeit zur Reinigung des Ackers, Beseitigung des Unkrautes,
Vertiefung der Ackerkrume, die Verwendung besseren Saatgutes eine
außerordentliche Steigerung des Ertrages herbeiführen können, so daß
nicht nur die Kosten gedeckt werden, sondern ein höherer Reinertrag
zewonnen wird, als er bisher erzielt wurde, und daß gerade der gute
Boden sich für solchen Aufwand meistens dankbarer erweist als der
schlechtere. Auch hier zeigt es sich, daß der Gang in dem wirtschaft-
lichen Leben nicht ein gleichmäßiger, sondern sehr verschiedenartiger
und oft sprunghafter ist. Aber je mehr in der zweiten Phase der
Entwicklung die Zunahme der Bevölkerung und Verallgemeinerung
les Ackerbaues vorschreitet, um so mehr tritt die Ricardosche Auf-