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Kulischer, Zur Entwicklungsgeschichte des Kapitalzinses. Jahrb. £. Nat.-Oek.
1899—1900, 3. F., Bd. 18—19,

C. Menger, Zur Theorie des Kapitals. Jahrb. f. Nat.-Oek, 1888, 2. F., Bd. 17.

E Voye, Ueber die Höhe der verschiedenen Zinsarten und ihre wechselseitige
Abhängigkeit. Jena 1900.

Hainisch, Die Entstehung des Kapitalzinses, Leipzig 1905.
Da das Kapital den Ertrag der menschlichen Tätigkeit, wie wir
nachzuweisen suchen werden, über die eigene Wertverminderung durch
Abnutzung usw. hinaus zu steigern vermag, so kann man den Teil
des Reinertrages eines Unternehmens, weicher auf die Leistung des
Kapitals zurückzuführen ist, als besondere Kapitalrente bezeichnen.
Sie läßt sich nur selten isolieren und in ihrer Höhe genau bestimmen,
ist aber darum doch nachweisbar. Wenn ein Schneider bisher in der
Woche nur einen Anzug fertigzustellen vermochte und dann durch
Zuhilfenahme einer Nähmaschine das Doppelte fertig bringt, so wird
aben diese Mehrleistung der Maschine zugeschrieben werden müssen,
wenn sie auch allerdings allein nichts leisten kann, und der Schneider
in einer anderen Weise als sie tätig war. Wenn in einer Kattundruckerei
die bisherige Druckmaschine durch eine Walzenmaschine, die vier
verschiedene Farben auf einmal aufträgt, ersetzt, und dadurch mehr
als das Dreifache mit derselben Arbeitskraft der Dampfmaschine und
der Hilfsarbeiter geliefert wird, so tritt auch da ihre Leistung so
klar zutage, daß sich die Rente (nach Abzug der Amortisations-,
Reparaturkosten usw.) der darin angelegten Geldsumme berechnen
läßt. In großen gewerblichen Unternehmungen, auf Landgütern, in
einem kaufmännischen Geschäfte, wo das Zusammenwirken der drei
Faktoren ein außerordentlich kompliziertes ist, wird dagegen eine
solche Isolierung nicht genau durchzuführen sein. ;

Die aufgeführten Beispiele zeigen klar, daß das Kapital zur Er-
zeugung neuer Produkte beiträgt und die Werterhöhung in der Pro-
duktion steigert. Damit ist allerdings noch nicht gesagt, daß auch
eine Rente erzielt wird, die dem Kapital selbst zufällt, denn die
Werterhöhung kann sich auf den Betrag beschränken, der nötig ist,
um das aufgewendete Kapital, das sich fortdauernd abnutzt, zu er-
ersetzen. Von seiten der sozialistischen Richtung, insbesondere
Rodbertus, wird auch die Erzielung eines solchen Ueberschusses
geleugnet oder in Arbeitslohn aufgelöst, da ja Kapital nichts als ge-
ronnene Arbeit sei (Marx) Der letztere Punkt kann unbeachtet
bleiben, da er für die vorliegende Untersuchung gleichgültig ist und
bei der Besprechung ‚des Wertes und der Produktionsfaktoren bereits
:$ 7 und 11) berührt wurde.

_ „Die Begründung dafür, daß das Kapital einen Wertüberschuß
liefern kann und im Durchschnitt erzielt, ist in sehr verschiedener
Weise zu geben gesucht, was besonders Böhm-Bawerk in der oben
erwähnten Schrift ausführlich historisch-dogmatisch zusammengestellt
und selbst geistvoll ergänzt hat. In der neueren Zeit ist ein leid-
liches Einverständnis von seiten der Autoritäten darüber erzielt, die
originelle Theorie Böhm-Bawerks verdient aber besondere Be-
achtung. Nach ihm gibt der Mensch „den gegenwärtigen Gütern
einen gewissen Vorzug vor künftigen Gütern derselben Art und Zahl“
and ist daher auch geneigt, für sie einen höheren Preis als für die
später zu erwartenden zu zahlen. „Die psychologischen Gründe
wurzeln hauptsächlich in der Unsicherheit der Zukunft und in dem
geringeren Bedacht, welchen die meisten Menschen auf die Sicher-
91%

Wesen der
Zapitalrente.

Produktivität
les Kapmitals.