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stellung ihrer künftigen Bedürfnisse nehmen; die technischen Gründe
hängen hauptsächlich mit gewissen Verhältnissen der Produktion,
namentlich damit zusammen, daß die technisch ergiebigsten Pro-
duktionsmethoden diejenigen sind, bei welchen man sich weitaus-
hebende und zeitraubende Produktionsumwege gestatten kann“. Des-
halb haben die gegenwärtigen Güter eine höhere Bedeutung in der
Produktion als die künftigen, die noch nicht als Hilfsmittel ver-
wendet werden können. Wir vermögen die Argumentation nicht zu
akzeptieren. Der Rentier wünscht vielfach die Rückzahlung eines
sicher angelegten. Kapitals gar nicht und bedingt sich ev. aus, daß
die Hypothek ihm vor zehn Jahren nicht zurückgezahlt werden darf,
verlangt aber doch und mit Recht einen Zins. Das Getreide ist be-
kanntlich bald nach der Ernte billiger als am Schluß des Ernte-
jahres, und Ahnliches findet sich sehr häufig in der Volkswirtschaft.
Jene Erklärung des Zinses erscheint aber auch in den zutreffenden
Fällen sehr gekünstelt, während sie sich nach Anerkennung der Pro-
duktivität des Kapitals von selbst ergibt.

Wenn der Schneider, der bei unserem Beispiele sich eine Näh-
maschine borgt, damit in der halben Zeit einen Anzug fertig stellt,
als bisher mit der Hand, so ist ein Wertüberschuß tatsächlich vor-
handen, denn er ist in der Lage, sich für die Herstellung des An-
zuges denselben Preis zahlen zu lassen als bisher, und zunächst ist
dieser Verdienst höher, als die Abnutzung der Maschine beträgt.
Wenn nun allmählich die Nähmaschinen allgemeiner zur Anwendung
gelangen, so wird dieser Ueberschuß durch die Konkurrenz allmählich
mehr und mehr herabgedrückt, und tatsächlich kommt es vor, daß
er schließlich verschwindet, ja unter die Herstellungskosten fällt.
Aber dies kann nur vorübergehend sein, denn dann hört die Be-
nutzung der Maschine auf, wie das vor zwei Dezennien bei den Ma-
schinen in der Schuhfabrikation in Deutschland der Fall war, gegen
welche die Handarbeit eine lange Zeit die Konkurrenz erfolgreich
durchführte. Dann wird natürlich auch entsprechend die Herstellung
von solchen Maschinen unterlassen, denn sie erfolgt nur, wenn sie
mit Vorteil, d. h. unter Erzeugung eines Wertüberschusses, bewirkt
werden kann, und solange irgendein Produktionszweig existiert, in
dem das Kapital einen Ueberschuß erzeugt; das wird aber in jeder
aufblühenden Volkswirtschaft der Fall sein. Ueberall liegt die Mög-
lichkeit vor, durch Unterstützung der Arbeitskraft mit Kapital die
Leistung zu erhöhen, sei es in der Landwirtschaft durch Meliorationen,
Erweiterung oder Verbesserung des Viehstandes usw., in der Fabri-
kation durch Beschaffung besserer Maschinen, durch Vergrößerung
des Betriebes, in dem Handel durch erweiterten Einkauf im
großen usW., So daß überall eine größere Nachfrage nach
Kapitalien vorliegt, als Vorrat an denselben vorhanden ist. Infolge-
dessen hat der Inhaber von Kapital stets einen Vorzug vor dem-
jenigen, welchem dasselbe nicht zur Seite steht, und da das Kapital
durch die Umsetzbarkeit in Geld fungiblen Charakter annimmt
und leicht aus einer Anlage in eine andere übergehen kann, so zieht
es sich dort zurück, wo es keinen Ueberschuß erlangt, wendet sich
dorthin, wo ein solcher zu erzielen ist, und findet nur da eine An-
wendung, Im großen ganzen können daher die Preise der Produkte
so hoch gehalten werden, daß sie nicht nur die Unkosten decken,
d. h. den Arbeitslohn‘ und den Ersatz für das aufgewendete Kapital,