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Zinsfuß.

Abweichung
der Höhe des
Zinsfußes von
ler der Rente.

4'/, %%, für die dritte vermutlich von 6°%, und mehr gezahlt. Denn
die Gefahr wird immer größer, einmal, daß der überlastete Schuldner
zahlungsunfähig wird, dann, daß bei einer Zwangsversteigerung des
Pfandobjektes nicht ‚die volle Summe des Wertes oder selbst der
eingetragenen Schuld erreicht wird, und damit zuerst die letzte
Hypothek ausfällt, eventuell noch ein Fehlbetrag für die zweite
bleibt. Niemand wird daher geneigt sein, dieses Risiko ohne eine
antsprechende Entschädigung auf sich zu nehmen. Es ist bekannt,
laß diese Risikoprämie bei Wechseldarlehn oft eine ganz exorbitante
Höhe erreicht.

Die Höhe des Zinsfußes, d. h. das Verhältnis des Zinses zum
Kapitalswerte, ist hiernach in den einzelnen Fällen des Darlehns-
zeschäftes, auch in demselben Lande zur selben Zeit, außerordentlich
verschieden. Ein prinzipieller Unterschied liegt vor, wie wir sahen,
zwischen dem Bankdiskont, also dem Zins für vorübergehende Darlehn
flüssiger Gelder, und dem Zins für dauernde Anlage: von Kapitalien, die
allein nachhaltigen Zinsbezug bezweckt, wie es bei Hypotheken, zins-
tragenden Papieren usw. zum Ausdruck gelangt, und zwar tritt der
letztere als reiner und allgemeiner Landeszinsfuß auf, wo eine völlige
Malen vorausgesetzt wird, also eine Risikoprämie nicht in Frage

ommt.

Die Höhe des Zinsfußes wird nun bedingt durch Angebot der
betreffenden Kapitalien und Nachfrage nach denselben. Das An-
yebot von Kapital hängt ab von der Wohlhabenheit des Landes und
namentlich von der Zahl der Personen, welche Kapitalien besitzen,
zie aber nicht selbst verwerten wollen. Es wird beeinträchtigt durch
den Abfluß des Kapitals in das Ausland. Die Nachfrage wird be-
Jingt durch die Stärke der Bevölkerung, d.i. durch die Größe der
Arbeitskraft, welche in der Volkswirtschaft tätig ist und Hilfsmittel
in Anspruch nimmt. Sie wird aber außerdem wesentlich bedingt
durch die Intelligenz der Bevölkerung und deren Fleiß, die sich in
ler Unternehmungslust, dem Erfindungsgeist usw. des Volkes aus-
sprechen. Sie ist schließlich abhängig von den vorhandenen Gaben
ler Natur, zu deren. Ausbeutung Kapital erforderlich ist. Wo noch
weite Landstrecken unbenutzt sind, unterirdische Schätze zu heben
bleiben, wo es noch an Kommunikationsmitteln fehlt, wird die Nach-
“rage eine größere sein, als wo sich der Unternehmungsgeist bereits
1ach allen Richtungen derselben bemächtigt hat.

Somit richtet sich die Höhe des Zinses keineswegs unbedingt
nach der Höhe der Rente, sondern behält innerhalb derselben einen
erheblichen Spielraum. In England z. B. ist der Zinsfuß niedriger
als in Deutschland, die Kapitalsrente dagegen dort sicher durch den
allgemeinen Weltverkehr erheblich höher als hier. Besonders durch
die Kolonien hat in England Jeder, der sein Kapital selbst verwerten
will, ausgedehnte Gelegenheit dazu und Aussicht auf reichen Ertrag,
während infolge der großen Zahl von Personen, die ihre bedeutenden
Kapitalien nicht selbst verwerten wollen, Darlehen billig sind. In
Deutschland begnügt man sich im Durchschnitte mit einem so ge-
ringen Geschäftsgewinn, wie kaum in einem anderen Lande, während
bei dem geringen Wohlstande Kapitalien knapp sind, und daher der
Zinsfuß verhältnismäßig hoch ist.

Wie erwähnt, ist die Höhe des Zinsfußes begrenzt durch die
mit dem Kapital zu erlangende Rente. Die untere Grenze liegt da-