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\kkordlohn.

Der Vorteil des Naturallohnes liegt hauptsächlich darin, daß die
Arbeiter unabhängig von den Preisschwankungen und den wirtschaft-
lichen Konjunkturen ihren Lebensunterhalt gleichmäßig erhalten,
damit der Sorge hierfür überhoben sind, und somit für eine gleich-
mäßige Ernährung gesorgt ist. Durch die Gelegenheit, sich Vieh zu
halten, Kühe, Schweine, Ziegen, Geflügel, sind die Arbeiter in der
Lage, mehr tierische Nahrungsmittel zu erlangen und sich dabei auch
sinen erheblichen Nebenverdienst durch die häusliche Tätigkeit zu
verschaffen. Gerade hierdurch ist die Lage der ländlichen Arbeiter
in der neueren Zeit wesentlich gebessert, auch wo die Löhne in Geld
nicht höhere geworden sind. Durch Verkauf von KEiern, Hühnern,
jungen Schweinen erhalten sie einen Zuschuß, der in früheren Zeiten
so gut wie unbekannt war. Es ist deshalb im Interesse des Arbeiters
nur zu beklagen, daß die Umwandlung der Naturallieferungen in Geld-
lohn mehr und mehr um sich greift, weil sie allerdings im Interesse
des Arbeitgebers liegt, und der Arbeiter sich in. Ueberschätzung des
Geldwertes und Unterschätzung der Bedeutung der Naturallieferungen
dieser Neuerung gerne unterwirft.

Früher war allgemeiner der Zeitlohn üblich: Tage-, Wochen-,
Jahreslohn. Er ist da am Platze, wo die zur Arbeit aufgewendete
oder auch nur im Arbeitsraum zugebrachte Zeit (Portierdienst) ein
zusreichender Wertmesser für die Leistung ist, oder durch Aufsicht
and Kontrolle die angemessene Ausnutzung der Arbeitskraft garantiert
erscheint. In der neueren Zeit hat sich mit Entwicklung des Maschinen-
betriebes mehr und mehr der Stück- oder Akkordlohn einge-
bürgert, indem also der Arbeiter nach der einzelnen Leistung bezahlt
wird. Das ist natürlich nur da durchzuführen, wo unter Ausbildung
ler Arbeitsteilung eine Kette von Arbeiten sich in eine Reihe von
Einzelleistungen zerlegen läßt, die sich isoliert leicht messen lassen,
während der Einzelne dieselbe Tätigkeit längere Zeit zu wiederholen
hat. Die Qualität der Leistung muß ferner mehr gleichmäßig und
leicht zu kontrollieren sein. So wird in einer Maschinenbauanstalt
der Schlosser z. B. nach der Zahl der zurechtgefeilten Schrauben-
muttern oder sonstiger bestimmter Eisenteile bezahlt; in der Spinnerei
die Arbeiterin nach der Quantität abgehaspelten oder gesponnenen
Garns; in der Weberei nach der Meterzahl hergestellten Zeuges usw.
In solchen Gewerben, wo es sich um mehr künstlerische Leistungen
handelt, wie Holzschnitzerei, gewisse Juwelierarbeiten, dann in der
Landwirtschaft bei den meisten Arbeiten, die nicht den "Tag über
den Mann beschäftigen, oder wo sich die Leistungen nicht leicht be-
stimmen lassen, ist der Stücklohn nicht anwendbar. Aber immerhin
finden sich auch dort Gelegenheiten dazu, ihn anzuwenden, wie bei
dem Dreschen, Mähen, Kartoffelausnehmen, Rübenhacken usw.

Der Vorteil dieses Verfahrens liegt darin, daß der Arbeiter durch
sein eigenes Interesse veranlaßt wird, seine Zeit und Kräfte auszu-
nutzen, und daher nicht beständiger Aufsicht bedarf, und die Gesamt-
leistung dadurch erhöht wird. Der Vorteil kommt nicht nur dem
Unternehmer, sondern auch dem fleißigen und tüchtigen Arbeiter zu-
gute. Als Nachteil ist es zu bezeichnen, daß der nach der Quantität
bemessene Lohn leicht zur Verschlechterung der Qualität führt; und
aus diesem Grunde haben schon die alten Zünfte wiederholt die An-
wendung des Akkordlohns verboten, aus Furcht, daß dadurch die
Ware verschlechtert werden und der Ruf der Zünfte leiden könnte.