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Berücksichtigt man nun die Entwicklung der Lebensmittelpreise
in derselben Zeit, um die Reallöhne, d. h. die Kaufkraft der Löhne
festzustellen, und geht von den Indexnummern von 1900 = 100 aus,
so ergibt sich nach v. Tyszka folgendes Ergebnis:

Geldlohn Reallohn
1866—72 100,6 57,8
1873—80 111,0 65,5
1881—85 104,8 56.1
1886 —90 99,2 77,7
1891—95 104,9 69,1
1896—1900 100,0 1000
1901—1905 106 1 88,1
1906—1910 121.2 82,9
1911—1912 135.2 81.5
Gegenüber den siebziger und achtziger Jahren konnte sich die
Lebenshaltung nicht unerheblich bessern; wie das auch die folgenden
Zahlen von Ashley schlagend nachweisen. Seit Ende der neunziger
Jahre hat sich dagegen ein Rückschlag ergeben, der durch die
Mietsteigerung noch nicht unbedeutend verschlimmert, ist. Besonders
England gegenüber steht Deutschland ungünstig da, wo die Preise
für die Arbeiterbevölkerung im Laufe der letzten Dezennien
zurückgingen, hier dagegen erheblich stiegen. Durch die starke Lohn-
erhöhung, die doch nicht ausreichte, dem Arbeiter eine wesentlich
bessere Lebenshaltung zu ermöglichen, wurde die Konkurrenzfähigkeit
der Unternehmer auf dem Weltmarkt nicht unbedeutend erschwert.

Nach Berichten der Konsumanstalt in Essen hat Ashley (Das
Aufsteigen der arbeitenden Klassen Deutschlands im letzten Viertel-
jahrhundert, übers. Tübingen 1906) die Entwicklung der Löhne und
der Lebensmittelpreise in den Kruppschen Werken von 1871—1900
folgendermaßen zusammengestellt:

Internationale
Vergleichung,

Durchschn,
Tagelohn
pro Kopf
M. Proz.
1871 3,03 100
1875 389 198
1880 519 705
1885 64 9
1890 95 )
1895 10 5
1896 4,24 ?9
1897 4,48 27 Ken
1898 457 50 116
1899 4,72 155 104
1900 4,718 157 102

Rindfl

7, hf

Kartoff.

Roggenbrot
»07

LVA

n0
05
na

7r0Z.
‚00
1

Proz.
100
93
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0

m
4
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4
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109
109 5
109 121 73
11 121 59

»
+9
85
85
83
Wir geben in den folgenden kleinen Tabellen eine Vergleichung
der Lohnverhältnisse in verschiedenen Ländern, wie sie Dr. E. P. €.
Gould in den Jahrbüchern für Nationalökonomie, 3. F., Bd. V, ge-
geben hat. Es handelt sich dabei um Beispiele, die nur als unge-
fährer Anhalt zur Vergleichung verwertet werden können.

(Siehe Tabellen 8. 341 u. 342.)

Die obigen Angaben zeigen, wie erheblich die Lohnverhältnisse
in Deutschland hinter England und Amerika zurückgeblieben sind.
Die verhältnismäßig hohen Zahlen der deutschen Lohnsätze und die
Angaben über die Wohnungsverhältnisse zeigen, daß man es nicht