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Lohnfonds-
theorie.

elendung derselben sich mit Notwendigkeit entwickeln müsse, weil
sich stets eine bedeutende „Reservearmee“ beschäftigungsloser Ar-
beiter in den Kulturländern erhalte, die fortdauernd geneigt sei, für
billigen Lohn Arbeit zu übernehmen und ein überwiegendes Angebot
herstelle, wodurch ein permanenter Druck auf den Lohn ausgeübt
werde. Die Annahme einer solchen beständigen Reservearmee ist
aber, wie so Vieles bei Marx, und zwar besonders in der ihr bei-
gelegten Bedeutung, eine willkürliche Annahme. Wird auch die
Statistik stets eine Anzahl Arbeitsloser nachweisen, vor allem zu
bestimmten Zeiten der Saisonarbeiter, so betreffen diese doch nicht
alle Geschäftsbranchen und bilden im großen Durchschnitt ein An-
gebot durchaus unterwertiger Qualität, sobald nicht eine Ausnahms-
lage durch eine wirtschaftliche Depression vorliegt. Auch in Zeiten
des Arbeitermangels finden sich stets Arbeitslose, teils wegen kör-
perlicher Unzulänglichkeit, teils wegen Untüchtigkeit und besonders
aus Arbeitsscheu. Die Konkurrenz dieser Elemente ist daher an und
für sich von geringer Bedeutung, und im Zusammenhange mit dem
vorhin Ausgeführten verschwindet ihr durchschnittlicher Einfluß völlig.

Wir haben schließlich noch die sogenannte Lohnfondstheorie
zu erwähnen, welche hauptsächlich und zuletzt von John Stuart
Mill vertreten wurde. Sie besteht in der Auffassung, daß der Lohn
der Arbeiter aus dem Kapitale des Unternehmers gezahlt werde, und
hierzu aus dem Nationalertrage wiederum dem Unternehmer nur ein
bestimmter Teil zur Verfügung stehe, so daß die Zahl der vorhande-
nen Arbeiter sich darin zu teilen habe. Je größer die Zahl und da-
mit der Divisor, um so kleiner sei der Anteil des Einzelnen, um so
niedriger der Lohn. Die Zahl der Arbeiter sei deshalb allein ent-
scheidend für die Lohnhöhe. Mit vollem Recht ist dagegen eingewen-
det und jetzt allgemein anerkannt, daß ein solcher in seiner Höhe
beschränkter Lohnfonds nicht existiert, und ferner der Arbeiter durch
seine Tätigkeit fortdauernd neue Werte schafft, die zwar nicht immer,
und in dem Fabrikbetriebe wie in der Hausindustrie immer seltener,
anmittelbar zur Konsumtion reif sind, aber doch zum großen Teile
dem Unternehmer fortdauernd einen Kapitalzuwachs gewähren. So
schießt der Unternehmer allerdings den Arbeitern im allgemeinen
aicht unerhebliche Summen vor, von denen sie leben, während sie
neue Werte schaffen, bis dieselben im Verkehre umgesetzt werden
können, aber es wird nicht von ihm verlangt, den ganzen Lohn allein
and aus seinen vorrätigen Fonds zu zahlen, weil die fortlaufenden
Produkte der Arbeitstätigkeit ihm nach kurzer Zeit die Auslagen
heimzahlen, und je nach diesen Leistungen, die, wie wir sahen, keines-
wegs auf den Arbeiter allein zurückzuführen sind, sondern auch auf
das Kapital und den Unternehmer, wird der Lohnfonds permanent
gespeist und verändert. Es ist also nicht der bereits vorher be-
stehende Fonds maßgebend für den Lohn, der gezahlt werden kann,
sondern er wird durch die fortdauernden Leistungen der National-
arbeit selbst bestimmt und kann deshalb die erheblichsten Erweite-
rungen erfahren,

Eine Erhöhung des Lohnes kann aber auch bei stark zunehmen-
der Bevölkerung aus anderen Gründen erreicht werden, also eine er-
hebliche Steigerung des Angebots von Arbeitskräften kann durch
andere Momente in der Wirkung auf die Lohnhöhe abgeschwächt und
ausgeglichen werden.