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unzweideutiger Weise als Selbstzweck hervor, dem sich das Privat-
interesse absolut unterzuordnen hat. Und wenn auch nicht so scharf
wie bei Plato,. so konzentriert sich auch bei ihm das Interesse haupt-
sächlich darauf, wie die Macht des Staates zu heben sei. Dazu
dient ihm auch die Sklaverei. Die Sklaven sind ihm lebendige Werk-
zeuge, und er deutet das Wünschenswerte an, dieselben durch
mechanische Kräfte zu ersetzen. Aus der Arbeitsteilung und Besitz-
yerteilung haben sich nach ihm die Berufsstänge ünd” die sozialen.
Klassen entwickelt. Die Gewerbe teilt er in die natürlichen, d. 8.
die Gewerbe der Rohproduktion und der Okkupation ein, die er
schärfer als Xenophon als die eigentliche Grundlage des Wohlstandes
hinstellt, und ihnen gegenüber die stoffveredelnden und Verkehrs-
ygewerbe als die „chrematistischen“ mit mehr Mißachtung behandelt.
Wie Plato sieht er die Sucht nach Gewinn und somit auch das
Arbeiten des Gewinnes wegen als etwas Unwürdiges an, welches
möglichst in den Hintergrund zu drängen ist. Eben deshalb vermag
er dem Handel nicht gerecht zu werden. Daß das Geld selbst nicht
volkswirtschaftlichen Reichtum repräsentiert, hat ef klar erkälfit
und sucht dieses durch den Hinweis auf die Midassage zu illustrieren.
Die Natur desselben, wie die des Kapitals, hat er noch nicht richtig
erfaßt, wie aus seiner Bekämpfung. des Zinsnehmens ‚hervorgeht, da
Geld nicht Geld erzeugen könne. Schließlich ist noch auf seine Er-
örterung des Wertbegriffes hinzuweisen, wobei er bereits den Unter-
schied ‚zwischen Tausch-, und Gebrauchswert macht. wie ihn später
Adam Smith weiter ausgeführt hat.

Trotz der außerordentlichen Entwicklung der Volkswirtschaft im
alten Rom fehlt es dort, ebenso wie in Griechenland, an theore-
tischen Untersuchungen über dieselbe. Die Grundanschauungen sind
die gleichen, die besondere Hochschätzung der Landwirtschaft tritt
in einer größeren Zahl von Schriften zutage, welche die technische
Seite behandeln, aber nicht den Zusammenhang mit der Volkswirt-
schaft. Erst in der Zeit des Verfalles treten einige Untersuchungen
über die Ursachen desselben hervor, die indessen nur oberflächlicher
Natur sind. ‘

Nach dem Gesagten war die Volkswirtschaft des Altertums nur
ein Naturprodukt, nicht das Ergebnis planmäßiger Einwirkung von
Staat und Gesellschaft auf Grund eingehenden Studiums des wirt-
schaftlichen Lebens.

S 86.
„Das Mittelalter.
Wilh, Endemann, Die nationalökonomischen Ansichten de ;
Jahrb, f£. Nat.-Oek, Bd. , 1863, 68 kanonischen Rechts.
Funk, Ueber die ökonum. Anschauungen der mittelalter]. ’ .
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Schreiber, Die volkswirtsch. Ansiehten der Scholastik. J 1918.
Troeltsch. Die Soziallehren der christlichen Kirchen u. Grünpen, Tübingen 1912.
Durch die Völkerwanderung und den Sieg der Barbarenhorden
wurde die Kulturentwicklung für eine lange Zeit zurückgeworfen
und aufgehalten. Durch die fortdauernden Kämpfe wurde nicht nur
eine große Entvölkerung herbeigeführt, sondern auch die Errungen-