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Thomas von Aquino im 13. Jahrhundert mit stark ausges rochen Nationalökono-
Kömmunistischen, dann Kkanönistischen Anschauungen, der ; Seller Endedes
Nicolaus. Oresmins, der 1382 als Bischof von Lisieux starb und “ittelalters.
in seinem „Tractatus..demutatione monetarum“, einer Art Predigt,
eine für jene Zeit ganz hervorragende Münztheorie aufstellte, schließ-
lich Gabriel Biel in Württemberg Ende des 15. Jahrhunderts,
jer gleichtalls eine sehr einsichtige Untersuchung über das Geld-
wesen und die Preisbildung lieferte, während er in der Be-
ürtellung der‘ Gewerbe noch auf dem alten kanonistischen Stand-
punkt stand.

Von nachhaltiger Bedeutung sind dann die Vertreter des Huma-
aismus geworden, welche prinzipiell mit den alten Grundanschauungen
brechen und uns damit in die neuere Zeit hinüberleiten. Hier ist
vor allen Desiderius Krasmus (1467—1536) zu nennen, der zu-
erst der kanonistischen Auffassung entgegentrat und die Ehre der Arbeit
auf die Fahne schrieb, die er hochhielt. Sein Hauptverdienst ist es,
die Nützlichkeit aller gewerblichen Tätigkeit und die Ehrenhaftigkeit
derselben ausgesprochen zu haben, wie die Verderblichkeit des Müßig-
yangs sowohl bei Soldaten, wie bei den Mönchen und dem Adel. Die
bisherige Hochschätzung der Armut wird von ihm ebenso angegriffen
wie die Ueberschätzung des Reichtums. Im übrigen zeigt er sich
noch als ein Kind seiner Zeit.

Auch Ulrich vop Hutten (1488 —1523). kann nicht ganz um-
yangen werden, dessen ausgesprochenes Nationalgefühl auch in der
Beurteilung der wirtschaftlichen Verhältnisse zum Ausdruck kommt,
indem er untersucht, wie Deutschland zu helfen sei. Er erkennt die
Notwendigkeit ‚des..Handels. an, fürchtet aber durch ihn den Luxus
vyefördert zu sehen, wie die Ausfuhr des Geldes, und beide Momente
sieht er als die Hauptfeinde der Entwicklung des allgemeinen Wohl-
standes an,

Zeigt auch Luther.in,privatwirtschaftlichen wie volkswirtschaft-
lichen Dingen in der Hauptsache eine fast kindliche Auffassung, so
hat doch sein gesunder Sinn und sein Interesse für alle wichtigen
Fragen der Zeit ihn zu Aussprüchen und Lehren veranlaßt, die von
einer so bedeutenden Persönlichkeit ausgehend nicht ohne nachhaltigen
Einfluß geblieben sind und den Umschwung in den Zeitanschauungen
vortrefflich charakterisieren. Indem er die Berechtigung materiellen
Genusses anerkennt, tritt er der mönchischen Verachtung der äußeren
Güter, wie ebenso durch den Satz „Dex. Mensch ist zur Arbeit ge-
boren“ dem mittelalterlichen Grundzuge entgegen. Das Wesen der
Arbeitsteilung, die Bedeutung des Handels sind ihm durchaus klar.
Die obrigkeitlichen Taxen verwirft er und hält die Preisbestimmung..
anf freiem. Markte für unerläßlich. Das hindert ihn freilich nicht,
die Preissteigerung des Brotes in seiner Zeit auf den verbreiteten
Wucher zu schieben, statt auf die allgemeine Geldentwertung. Wie
Hutten eifert er gegen Luxus und den auswärtigen Handel und
vermag sich noch nicht mit dem Zinsnehmen zu befreunden, hat also
den kanonistischen Standpunkt noch nicht überwunden. Höchst be-
deutsam sind dagegen seine Ausführungen gegen das planlose Almosen-
geben der Kirche, welches nur Müßiggang und Vagabundentum groß-
ziehe, ohne wirklich wohlzutun, und darin hat er gleichfalls einen
Bruch mit der Vergangenheit angebahnt.

Mehr im praktischen Leben stehend, mit weiterem Blick für volks-

Luther,