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Calvin.
wirtschaftliche Fragen erscheint Calvin, Er tritt. vor allem für eine
anergische Staatsgewalt, ein, welche auch die sozialen und wirtschaft-
chen Verhältnisse: des Landes zu regeln hat. Ihre erste Aufgabe
zeht dahin, die Bevölkerung zur Arbeit zu erziehen und sie dazu an-
zuhalten. „Wer nicht. arbeitet, soll .auch nicht essen.“ In zweiter
Linie sucht er selbst durch detaillierte Lmxusverbote und Einschrän-
kung der Vergnügungen den Sinn für Einfachheit und Arbeitsamkeit
zu fördern. Bedeytsam.ist bei ihm die Anerkennung der yolkswirt-
schaftlichen Geichberechtigung der verschiedenen Gewerbe, besonders
der Produktivität des Handels. Er erklärt ausdrücklich, Geld kann
sa. gut Geld erzeugen wie der Acker. Das Zinsnehmen ist nach ihm
abenst‘ Herechtigt wie der “Anspruch auf eine Hausmiete. Hieraus
ergibt.sich..ein. .wWesentlicher.. Fortschritt. in. den. Anschauungen.

888.
Die erste Periode des nalizeilich-kameralistischen
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‘ters,
Nielsen, Die Entstehung der deutschen Cameralwissenschaft im 17. Jahrh.
Jena 1911.
Mit Recht ist es ausgesprochen, daß das letzte Jahrhundert viele
Aehnlichkeit mit dem Reformationszeitalter hat und in gleicher Weise
eine wirtschaftliche Revolution erfahren hat, wie sie damals vor sich
ging. Kein Wunder, wenn in beiden Perioden das Interesse für volks-
wirtschaftliche Fragen in den Vordergrund tritt, und in jener älteren
Periode sich daher die Anfänge unserer Wissenschaft zeigen.

Ka Damals wie jetzt, nur noch in einem höheren Maße, regte sich
” die Opposition gegen die gesellschaftliche Organisation, den Staat und
die Kirche, wie sie damals in der Bauernbewegung, gegenwärtig in
der sozialdemokratischen, zutage trat. Die Notwendigkeit einer
anderen Organisation des Staates führte in jener Zeit der Beseitigung
des Feudalstaates zur Ausbildung der absoluten Monarchie und im
letzten Jahrhundert zu der Ausbildung des Konstitutionalismus. .

Wie in jener Zeit die Geldwirtschaft zur allgemeinen Herrschaft
gelangte, so in dem 19. Jahrhundert die Kreditwirtschaft mit ihren
tiefgreifenden FEN ©

Die Ausbildung des Beamtentums, dann der Soldheere nach Be-
seitigung der persönlichen Vasallendienste steigert®üie Bedürfnisse der
Staatsgewalt in der außerordentlichsten Weise, so daß die Schwierig-
keiten immer bedeutender wurden, die nötigen Summen zusammenzu-
dringen. Theorie und Praxis gingen Hand in Hand, um die besten
Wege ausfindig zu machen, durch Hebung des Volkswohlstandes die
wachsenden Lasten der Bevölkerung erträglich zu machen, weshalb
gerade finanzwissenschaftliche..Kragen in dem Mittelpunkte. der Dis-
kussion standen. Gerade so wie gegenwärtig der wachsende Druck
der Heeresrüstungen :als eine Kalamität der Zeit anzusehen ist, und
die dadurch verursachte Steuerlast immer neue Probleme zu lösen
gibt, so sahen sich damals die leitenden Staatsmänner genötigt, metho-
dische: Untersuchungen über die Quelle anzustellen, aus welcher die
Staatskasse ihre Mittel zu schöpfen hat; praktische Volkswirte und
Männer der Wissenschaft traten ihnen dabei zur Seite. Mit der Aus-
bildung: des absoluten Königtums ging: Hand in Hand die _schärfere