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890.
Die wissenschaftlichen Vertreter des Merkantilismus.
v. Erdberg, Johann, Joachim Becher. Jena 1896.
Ch. Gide u. Ch. Rist, Geschichte der volksw. Lehrmeinungen, herausg. v. Fr.
Ippenheimer. Jena 1913.
Farman, Die innere französische Gewerbepolitik von Colbert bis Turgot.
Leipzig 1879.

(taliener.

Engländer.

Aus der großen Zahl der Schriftsteller, welche im 16. und 17,
Jahrhundert über wirtschaftliche Fragen geschrieben haben und die
merkantilistischen Anschauungen vertreten, können wir nur einzelne
nerausgreifen, welche eine nachhaltige Bedeutung erlangt haben. Vor
allem sind an Italienern zu nennen Antonio Serra, Breve tratato
delle cause, che possono far abondar& 11 TeRHI doro € d’argento, dove
non sono miniere, Napoli 1613 (Scrittori classici ‚italiani di economia
politica, Milano 1803). Er untersucht die Bedingungen des Volks-
wohlstandes und findet sie in folgenden Quellen: 1. der Bodenfrücht-
barkeit, um einen Ueberschuß an landwirtschaftlichen Produkten für
das Ausland zu erzielen; 2. in der Lage des Landes, mitten im Welt-
verkehre, um einen umfassenden internationalen Handel zu entwickeln;
3. in der Industrie, besonders von Kunstwaren, welche teuer an das
Ausländ Verkauft werden können, um durch sie das Gold und Silber
in das Land zu bringen, wo die eigenen Minen dazu nicht ausreichen,
Tritt bei ihm die merkantilistische Einseitigkeit auch entschieden
hervor, so zeigt er nach anderen Richtungen doch einen freieren
Blick als seine Zeitgenossen. So spricht er sich entschieden gegen
Ausfuhrverbote des Geldes und ähnliche den Verkehr behindernde
Beschränkungen aus. Er weist zuerst auf die maßgebende Bedeutung
ler menschlichen Arbeitskraft für die Volkswirtschaft hin und stellt
manche Lehren auf, die auch heutigen Tages noch ihre volle Be-
rechtigung haben. Antonio Broggia gibt in seinen Tratati dei
tributi e delle monet&”1743; "die Gründlehren der merkantilistischen
Handelsbilanz und bietet Grundzüge einer guten Steuerlehre, Schließlich
st’AntonioGenovesi zu erwähnen, der in seinen lezioni di com-
merzZ16 Edi ecbnomla civile 1760, deutsch Leipzig 1776, zuerst_ein
3ystematisches Handbuch der Volkswirtschaftslehre zu geben sucht
And SICH Marin Och SCHÖN VON den hauptsachlichsten Kinseitigkeiten
des Merkantilismus frei gemacht hat.

a Die englischen Schriftsteller jener Zeit hatten schon zu viel
Gelegenheit, Studien im großen volkswirtschaftlichen Verkehr zu
machen, um nach allen Richtungen den engen Anschauungen eines
Serra zu folgen. Die Neigung zum Freihandel tritt mehr oder weniger
vereits im Beginn des 17. Jahrhunderts hervor, wie z. B. bei Sir
Walter Raleigh, der eine Untersuchung darüber anstellt, worin
die” Ueberlegenheit Hollands über England liege, und sie in der
größeren Freiheit des Verkehrs, besonders der Freiheit des Acker-
baues findet. Doch zeigt sich auch bei ihm eine schiefe Auffassung
les Geldes und seiner Bedeutung für den Reichtum. Baco von
Verulam erweist sich noch als strenger Anhänger der Handelsbilanz-
theorie und tritt für eine ausgedehnte Staatstätigkeit in wirtschaft-
lichen Fragen -ein, lobt die vorhandenen Einfuhrverbote, erkennt aber
lie Unhaltbarkeit obrigkeitlicher Preisbestimmungen.

Als der eigentliche Vertreter _des_ Merkantilismus_in. England

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