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wird Thomas Mun anerkannt. Seine Hauptschriften sind: a dis-
OUT SEE Kng land into the East India 1609, 2. Auflage
1621, dann: Englands treasure by foreign trade, or the balance of
Dur foreign trade is the rule of our treasure, 1644. Er empfiehlt in
sehr detaillierter Weise Regierungsmaßregeln zur Herbeiführung einer
günstigen Handelsbilanz. Namentlich in der ersten Schrift verteidigt
er die „Statut of employment“ Heinrichs VIII, welche den fremden
Kaufmann einer genauen Kontrolle unterwarf, ihm verbot, Geld aus
England in das Ausland zu führen und ihn zwang, für die durch
Verkauf ihrer Waren erlangten Summen inländische Waren zu kaufen
and nur in diesen ihren Erlös auszuführen. Er sieht sich aber in
der späteren Schrift bereits genötigt, hiervon abzugehen und im Interesse
der Verkehrsfreiheit jene Bestimmung zu bekämpfen. Doch auch
hierin betont er: Der Konsum.ausländischer Produkte müsse geringer
sein als ‚der Teil der „inländischen Produktion, der im Auslande ver-
zehrt wird. Nur ein günstiger auswärtiger Handel sei imstande, dem
Lande wesentlich dauernden Gewinn zu schaffen. „Geld erzeugt den
Handel und Handel vermehrt das Geld.“

Nun erkennt er aber bereits Sehr gut, daß zur Berechnung der
Handelsbilanz die bloße Vergleichung der Aus- und Einfuhrwerte
nicht ausreicht, sondern daß auch die Frachtverdienste, sowie Handels-
verluste, Schiffbrüche usw. mit in Anschlag gebracht werden müssen.
Er bietet eine glänzende Rechtfertigung der ostindischen Kompagnie
gegenüber den Angriffen seiner Zeitgenossen und sucht durch genaue
Untersuchung der Operationen der mit Indien handelnden Kaufleute
nachzuweisen, daß der anfängliche Geldexport nachher einen um so
zrößeren Geldimport veranlasse, die Kompagnie also wesentlich dazu
beitrage, England eine günstige Handelsbilanz zu verschaffen.

Außerdem sind hier zu nennen: Josiah. Child, Observations
zoncerning trade and interest of money, 1668 und: A new discourse
of trade, 1690. William Temple, (franz. Uebers.) Considerations
sur le commerce et Vargent, 1672.

In Frankreich erlangten besonders zwei merkantilistische
Schriftsteller eine gewisse Bedeutung: Francois Melon, Essais
politiques sur le Commerce, 1731, deutsch: Jena 1740 und I. For-
bonnais,. Elements du Commerce, 1754, Principes et observations
©COnomiques, 1767. Der erstere behandelt noch Geld, Vermögen,
Kapital durchaus identisch. Er sieht zwar ein, daß nicht jedes Land
Alles erzeugen kann, was es braucht, daher nicht immer die Interessen
der Völker sich feindlich gegenüberstehen, aber doch vertritt er ein
antschiedenes Hinarbeiten auf eine günstige Handelsbilanz. Als bestes
Mittel hierfür erscheinen ıhm die. Kolonie I und Handelskompagnien,
also die Organisation des internationalen Großhandels unter Aus-
bildung ausgedehnter Monopole. Den Binnenhandel sucht er durch
polizeiliche Taxen zu regulieren. Am meisten tritt sein merkanti-
listischer Standpunkt in seiner einseitigen Ueberschätzung der In-
Austrie hervor,

=Der-zweite Schriftsteller behandelt ausführlich die bekannte Han-
delsbilanztheorie, geht aber über seine Vorgänger einen Schritt hinaus,
indem er das Geld doch hauptsächlich in seiner Eigenschaft als Zirku-
lationsmittel, weniger als Repräsentanten des Reichtums charakterisiert,
In der Lobpreisung der Industrie steht er seinem erwähnten Lands-
mann wenig nach und führt die Notwendigkeit der Vermehrung der

Franzosen.