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Bevölkerung eingehend als die „Vorbedingung..der.. Hebung..der. In-
„dustrie an.

Deutsche. ©” "ie deutschen Merkantilisten können auf Originalität der An-
Sschauungen kaum Anspruch machen. Sie sind hauptsächlich Staats-
männer, welche die augenblicklich praktischen Aufgaben ins Auge
fassen und dabei vielfach noch mehr in das Extrem gehen, als dies
bei den bisher betrachteten Männern der Fall war. In erster Linie
ist Kaspar Klock, Tractatus nomico-politieus de contributionibus,
Nürhnverp r65T, amd Tract. de aerario 1651, zu nennen. Bei ihm tritt
die Ueberschätzung der Bedeutung des Geldvorrates im Handel auf
das schärfste hervor. Direkt spricht er aus, der Staat müsse mit
allen Mitteln die Ausfuhr von Gold und Silber wie die von Rohstoffen
hindern, an deren Verarbeitung das Heimatland nur gewinnen könne,
und es sei natürlich, die Lebensnotwendizkeiten im Lande zurückzu-
halten. Dagegen müsse die Einfuhr schädlicher Waren, wie vor allem
aller Luxusartikel, verhindert werden, und ebenso die Einfuhr der
Waren, welche den inländischen Gewerben Konkurrenz machen.
rk nit: Teutscher Fürstenstat 1656,
zuletzt 1754 in 8. Auflage erschienen. Er stand ın naher Deziehung
zu dem vortrefflichen Regenten Herzog Ernst von Gotha, für den er
die Schrift wohl hauptsächlich geschrieben hat. 1682 übernahm er
das Amt des Kanzlers der neu zu gründenden Universität Halle, deren
völliges Inslebentreten er leider nicht mehr erleben sollte. In bezug
auf die Handelspolitik vertritt er mit größter Schärfe die oben aus-
geführten merkantilistischen Anschauungen bis zum Verbot der Aus-
fahr guter Münzen, indessen erkennt er, daß der Bergbau an KEdel-
metallen nicht unter allen Umständen zu fördern sel, sondern nur,
wenn die Kosten sich einigermaßen bezahlt machen. Obrigkeitliche
Taxen für Lebensbedürfnisse, unter Umständen auch für den Arbeitslohn,
hält er für wünschenswert, wie ebenso Aufwands- und Kleiderordnungen,
um den Konsum in Schranken zu halten. Ein Hauptsatz ist bei ihm:
„In der Menge wohlgenährter Leute besteht der größte Schatz des
Landes“, deshalb spielt bei ihm die Sorge für die Volksvermehrung,
z. B. durch Einrichtung großer Kinderhäuser eine hervorragende Rolle;
eine Auffassung, die nach der Entvölkerung des Landes durch den
30 jährigen Krieg verständlich ist. Sehr umfassend sind seine Er-
örterungen über das angemessenste Steuersystem, wobei er energisch
für Konsumtionssteuern und eine. Vermögenssteuer eintritt; er befür-
wortet schon die Freilassung des Existenzminimums und ist deshalb
gegen die Kopfsteuer.,

‚Johann Joachim Becher: Politischer Diskurs von den eigent-
lichen‘ Ursachen ueS AUTIENENS And Abnehmens der Städte, Länder
usw., 1668, war ein Deutscher, der aber früh nach Oesterreich ver-
pflanzt wurde und dort eine umfassende praktische, wie schriftstellerische
Tätigkeit entwickelte. Auch er hält vor allem die Volksyermehrung
für das dringendste Bedürfnis seiner Zeit; selbst die Heranziehung
von Negersklaven ist ihm recht. „In einer populosen Stadt ist es
leichter als in einem deserten Orte sich zu ernähren, indem ein Mensch
von dem anderen lebt, einer dem anderen durch gemeinsamen Handel
und Wandel zu seinem Stück Brot verhilft.“ Kr erkennt aber die
Notwendigkeit aller drei Gewerbsarten, des Bauern, Industriellen und
der Kaufleute, an, wenn es auch der ersteren mehr geben müsse als
der letzteren. Die Konsumtion ist nach ihm „die Seele der drei Stände,