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die bisherigen unnatürlichen Schranken zu beseitigen. Sehr eingehend
behandelt er die Schäglichkeitallex.Menspole;, die Uebermacht der
großen Grundbesitzer, die gewerbliche. Gebundenheit dürch; die, Zünite,.
die Beschränkung des internationalen Handels durch Probitiv- und
Schutzzötle: "Atle-diese-mittelalterlichen Schranken-seien-zu-beseitigen.
Der Kinzelne, der am besten beurteilen könne, wo und wie seine Kräfte
am zweckmäßigsten zu verwerten sind, müsse auf die eigenen Füße
gestellt und ihm die volle Freiheit des’ Handelns gewährleistet werden,
Außerdem fürchtet er, daß der Adel und die Reichen, welche den
größten Einfluß im Staate haben, diesen überwiegend im eigenen Inter-
esse verwerten und den Schwächeren bedrücken; Er sucht mithin
das Interesse aller Einzelnen zu vertreten und zum Ausgangspunkte
zu nehmen. Die Regierung faßt er nur als Mittel auf, das Wohl der
Einzelnen zu fördern, während sie in dem Staate des polizeilich-
kameralistischen Zeitaltersim Gegenteile als Selbstzweck hingestellt
war, dem das Wohl der Untertanen meist in der schmählichsten Weise
untergeordnet wurde. Dabei ist zu bemerken, daß er die völlige
wirtschaftliche Freiheit als ein zurzeit noch unerreichbares Ideal an-
sieht und ausdrücklich Ausnahmen anführt, wo Schranken durchaus
am Platze sind.

In dem.Verkehs-mit dem. Ausland. verlangt..er..Freiheit, um Inter.
nationale Arbeitsteilung durchzuführen, die ebenso bedeutsam sei, wie
Je Arbeitsteilung im Innern des Landes. Jeder Staat müsse das produ-
zieren, wozu seine Verhältnisse ihn am besten eigenen, und von anderen
Ländern beziehen, was da billiger und besser geliefert werden könne.

Adam Smith ist in der früheren Zeit vielfach sehr überschätzt
worden; man hat sein Werk der Bibel gleichgestellt und die darin
ausgesprochenen Lehren als ewige Wahrheiten bezeichnet. Er ist
in der neueren Zeit sehr allgemein erheblich unterschätzt, und man
ist ihm nicht gerecht geworden, weil man ihn nur von unserem gegen-
wärtigen Standpunkte aus beurteilte, nicht aber historisch aus seiner
Zeit heraus. Man hat ihn herabgesetzt, indem man nachzuweisen
suchte, daß seine Lehren nicht originell, sondern schon früher von
Anderen ausgesprochen wären, und darin hat man in der Hauptsache
recht. Aber. sein. nnsterhliches Verdienst, liegt..darin, daß „er zuerst
den Zusammenhang der wirtschaftlichen Vorgänge nachwies und Lumen”
ein Wissenschaftlich beziundetes Prinzip zugrunde legte, die verstreuten
Lehrsätze der früheren Schulen von ihren extremen Einseitigkeiten
defreite und zu einem geschlossenen Ganzen zusammenfügte. Kr war
insbesondere der Kırste, dem es geläng, alle diese Lehrer in einer
leicht faßbaren, überaus interessanten Form zur Darstellung zu bringen,
besonders das allerdings mehr deduktiv aufgeführte Gebäude durch
historische Daten und Erfahrungssätze so zu stützen, daß es leicht
übersehen werden konnte und völlig fest begründet erschien. Wo
man ihm zu scharfes Urteil, extrem einseitige Schilderung vorwerfen
kann, handelt es sich gerade um Sätze, welche die größten Schäden
der Zeit am klarsten hervorhoben und den Leser zwangen, ihnen be-
sondere Aufmerksamkeit zu schenken; und gerade diesem Vorgehen
verdankt er den durchschlagenden Erfolg, der noch größer im Aus-
lande war, als in Engand selbst, wo das ganze Staatswesen bereits
von einem freiheitlicheren Geiste durchweht war. Ihm vor allem ist
es zu danken, daß noch Ende des 18. Jahrhunderts das Interesse für

wirtschaftliche Fragen ein allgemeines geworden ist, die Erörterungen

Kritik.