380 —

Frankreich,

mittels Motorkraft angebahnt, und der Barbier Arkwright war es,
der sich der Erfindungen bemächtigte, sie sich patentieren ließ und
den Fabrikbetrieb im großen einrichtete. Kurze Zeit darauf wurde
die Krempelmaschine erfunden, und 1757 stellte Samuel Cromp-
bon die „Mule“ her, die eine Verbindung der ‚Tenny mit der Water-
frame bildete. 1790 wurde dann der wesentliche weitere Schritt ge-
tan, den Dampf an Stelle der Wasserkraft in den Dienst der Fa-
brik zu stellen, und damit war der Großbetrieb inauguriert. 1785
trat er bei dem Maschinenbetrieb in der Weberei an die Seite der
Spinnerei. Der Geistliche Cartwright stellte 1785 einen durch
Motorkraft bewegten mechanischen Webstuhl her, was 1790 zur ersten
Dampfweberei führte, die zwar nicht gedieh, aber bald erfolgreichere
Nachfolgerinnen erhielt; besonders nach der Verbesserung durch
Thomas Johnsons Erfindung der „Dressingframe“, wodurch ein
Kind“ zwei WEDSTHLIE bedienen konnte. 1818 gab es in Lancashire
14 mechanische Webereien mit 2000 Webstühlen, 1821 bereits 32
Fabriken mit 5700 Webstühlen. 1830 existierten in England und
Schottland noch eben so viele Handwebstühle, wie 1820, die Zahl
der Maschinenwebstühle war aber in jenen 10 Jahren von 14000 auf
55000 gestiegen. Von 1760—70 begann man die Steinkohle zum Aus-
schmelzen. des Eisens zu benutzen. Infolge dieser Entwicklung nahm
vor allem der Kohlenbergbau, dann die Kisenindustrie einen rapiden
Aufschwung.

Unter diesen Verhältnissen schwanden die letzten inneren zünftle-
rischen und sonstigen Schranken, auch bevor die Gesetzgebung sie
beseitigt hatte. Nur noch ein extremes Schutzzollsystem erhielt sich,
welches erst in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ge-
mäßigt, in den sechziger Jahren beseitigt werden sollte.

Die_Entwicklung der Großindustrie gewährte sofort den Unter-
nehmern im großen ganzen außerordentliche Reichtümer und zog
massenhaft die ländliche Bevölkerung in die Städte. Eine Menge
Grundbesitzer gaben ihren Grund und Boden auf, der mehr und mehr
in der Hand der alten Aristokratie, sowie der neuen Geldaristokratie
konzentriert wurde. Die Arbeiterbevölkerung hatte zunächst keinen
Vorteil von der allgemeinen Entwicklung: die Löhne blieben niedrig
und verloren durch die Preissteigerung aller“ Lebensmittel "erheblich
an Kaufkraft, so daß die Ansprüche an die Armenkasse fortdauernd
stiegen. Immer massenhafter wurden Kinder und Frauen in die
Fabriken hineingezogen und in extremer Weise ausgebeutet. Auch
2ier trat erst in den dreißiger Jahren durch das Eingreifen der
Gesetzgebung und die Organisation der Arbeiter ein Umschwung ein.
„Während so in dem britischen Reiche die Umgestaltung des
Wirtschaftslebens sich um die Wende des 18 Jahrhunderts allmählich
vollzog, und die Gesetzgebung, wie es England eigentümlich ist, SO-
weit sie nicht mehr den Verhältnissen entsprach, einfach außer An-
wendung gesetzt wurde, brach in Frankreich bekanntlich in dem
letzten Dezennium des 18. Jahrhunderts die politische Revolution aus,
die zunächst einen nachteiligen Einfluß auf“die Volkswirtschaft aus-
üben mußte. Die Rechte der Gutsherren gegen die Bauern wurden
(4. August 1789 und 15. März 1790) ebenso wie alle zünftlerischen
Rechte (2. März 1791) aufgehoben, nur für die Zunftmitglieder wurde
eine teilweise Entschädigung für die eingebürgerten Kaufgelder der
Zunftämter gewährt. - Damit war die freie wirtschaftliche Bewegung